Der böse Kern im Menschen

Theorien über die Natur des Verbrechens behaupten, jeder sei im Prinzip zu allem fähig

Wohlmeinende Menschen sprechen oft vom "guten Kern", der auch im übelsten Verbrecher stecke. Geht es nach neuen psychologischen Theorien, sollte man besser vom "bösen Kern" in jedem guten Menschen sprechen. Denn jeder, so die Annahme der Psychologen, sei fähig, jedes Verbrechen zu begehen. Das berichtet jetzt das Wissenschaftsmagazin "Bild der Wissenschaft".

Ursachen von Verbrechen

Vier "Wurzeln des Bösen" hat der US- Psychologe Roy Baumeister benannt, auf die sich letztlich alle Untaten zurückführen lassen: eine sadistische Neigung, ein verletztes Selbstwertgefühl, eine entsprechende Ideologie oder Religion sowie die Tendenz, das Böse als Mittel zum Zweck einzusetzen.

Das Durchsetzen eigener Interessen

Die bekannteste Motivation ist, mit unlauteren Taten eigene Interessen durchzusetzen. Der Diebstahl von Büromaterial am Arbeitsplatz fällt genauso in diese Kategorie wie Wirtschaftskriminalität oder ein Raubmord. Und häufig bringt das rücksichtslose Vorgehen tatsächlich einen großen Gewinn – zumindest kurzfristig. Doch auf Dauer lohnt sich unmoralisches Verhalten nicht: Der Preis, der im Ernstfall bezahlt werden muss, ist meist deutlich höher als der maximal mögliche Gewinn.

Sadismus als Ursache

Ohne rational erklärbaren Nutzen sind dagegen Taten von Menschen mit einer sadistischen Neigung: Sie genießen das Elend ihrer Opfer. Echte Sadisten sind selten. Baumeister schätzt, dass nicht mehr als fünf Prozent der Täter von Sadismus getrieben werden.

Gewissen als Schutzmechanismus

Bei den meisten Menschen jedoch spricht das Gewissen ein gewichtiges Wort mit – und zwar schon vor der eigentlichen Tat. Es verursacht zum Teil sehr starke Schuldgefühle und der Betroffene kann einschätzen, ob er mit der Schuld leben will oder nicht. Psychopathen kennen dagegen ein solches Dilemma nicht: Sie verbinden intellektuelles Wissen nicht mit Emotionen und empfinden daher praktisch nie Schuldgefühle.

Beispiel

Ein schreckliches Beispiel für ein Verbrechen, das aus verletztem Selbstwertgefühl heraus begangen wurde, ist der Amoklauf von Robert Steinhäuser, der in einer Erfurter Schule 17 Menschen erschoss, bevor er sich selbst richtete. Typisch für solche Taten: Der Täter hat ein völlig übersteigertes Selbstbild und schätzt sich selbst viel höher ein als seine Umwelt das tut.

Ideologie und Religion als Ursache

So schlimm solche Verbrechen auch sind, das größte Unheil haben immer ideologisch oder religiös motivierte Täter verbreitet. Schon in der Bibel wird von Völkermorden berichtet, es folgen die Kreuzzüge und die Inquisition, die sowjetischen Zwangsarbeitslager, unvergleichlich der organisierte Massenmord unter den Nationalsozialisten, die chinesische Kulturrevolution.

Abschieben von persönlicher Verantwortung

Immer waren die Täter große Gruppen – und immer gab es die Möglichkeit, die persönliche Verantwortung abzutun.
Dabei wirken nicht nur die Befehle von Autoritätspersonen enthemmend, sondern auch Faktoren wie eine ideologisch motivierte Entmenschlichung der Opfer oder der Gruppenzwang, der entsteht, wenn alle anderen auch zur Gewalt bereit sind. Diese Kombination ist so stark, dass sogar Menschen freiwillig Gewalttaten begehen, die weder unter mangelnder Selbstkontrolle noch einem übersteigerten Selbstwertgefühl leiden. ‘"

. Das ?Böse Fazit" der Psychologen: Jeder Mensch ist im Prinzip zu allem fähig – es kommt nur auf die Situation und die Einflüsse an, ob er Gutes oder Böses tut.

Auf Dauer lohnt sich unmoralisches Verhalten nicht.

VON ILKA LEHNEN.BEYEL

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