Drei goldene Figuren

Um den König seines Nachbarreichs auf seine Klugheit und Unterscheidungsfähigkeit und den Scharfsinn dessen Volkes zu prüfen, sandte in alten Tagen ein König ihm drei goldene Figuren. Diese Figuren hatten dasselbe Aussehen und besaßen dasselbe Gewicht. Dennoch sollten diese drei Figuren einen unterschiedlichen Wert haben. Welche Figur die wertvollste sei, sollte der König feststellen.

Zusammen mit seinem Hofstaat betrachtete der König die Figuren, ohne auch den geringsten Unterschied feststellen zu können. Auch die Weisesten in seinem Reich wollten ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass kein Unterschied zwischen den Figuren bestände. Die drohende Blamage, ein Reich zu haben, in dem niemand genügend erleuchtet sei, dass er den unterschiedlichen Wert der Figuren beurteilen konnte, stimmte den König trübsinnig. Das ganze Land nahm an diesem Geschehen teil, und alle gaben ihr Bestes.

Als man schon die Hoffnung aufgeben wollte, meldete sich ein junger Mann aus einem Gefängnis. Er wolle schon den Unterschied feststellen, wenn man sie ihm nur zur Untersuchung überlassen wolle. Der König befahl den jungen Mann in den Palast und ließ ihm die goldenen Figuren überreichen. Der junge Mann betrachtete sie ganz genau. Schließlich stellte er fest, dass alle Figuren ein kleines Loch im Ohr hatten. Prüfend führte er einen dünnen Silberdraht hinein. Er stellte fest, dass bei der ersten Figur der dünne Silberdraht wieder aus dem Mund herauskam. Bei der Zweiten kam der Silberdraht aus dem anderen Ohr heraus. Bei der Dritten endlich kam der Draht aus dem Nabel des Bauches zum Vorschein. Nach kurzem Nachdenken wandte er sich an den König.

,,Hoheit", sagte er, ,,ich glaube, die Lösung des Rätsels liegt wie ein offenes Buch vor uns. Wir sollten nur versuchen, dieses Buch zu lesen. Seht her, so wie jeder Mensch anders ist als die anderen, ist auch jede dieser Figuren für sich einzigartig. Die erste Figur erinnert an Menschen, denen man etwas sagt und die kaum, dass sie es gehört haben, sich beeilen, das Gehörte weiterzuerzählen. Die zweite Figur ähnelt den Menschen, wenn man ihnen etwas sagt, es in das eine Ohr hinein und zum anderen wieder hinausgeht. Die dritte Figur hingegen gleicht in vielem den Menschen, die etwas, was sie hören, für sich behalten und in ihrem Herzen bewegen. Herr! Beurteile danach den Wert der Figuren. Wen wolltest du zu deinem Vertrauten? Den, der nichts bei sich behalten kann, den, dem deine Worte so viel bedeuten wie der vorüberstreichende Wind, oder den, der ein vertrauenswürdiger Hüter deiner Worte ist?"

Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: erstens durch Nachdenken – das ist der edelste; zweitens durch Nachahmen -das ist der leichteste; drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.
Konfuzius

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