Multitasking-Märchen

Lieber eins nach dem anderen tun

Es ist eines der wenigen Dinge, die Männer Frauen mehr oder weniger einmütig zugestehen: Das weibliche Geschlecht sei besser darin, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. E-Mails lesen und dabei telefonieren? Auf die Kinder gucken, das köchelnde Essen im Auge behalten und gleichzeitig mit der Freundin quatschen? Kein Problem für Frauen, extrem schwierig für Männer, glauben mehreren Umfragen zufolge sowohl männliche als auch weibliche Befragte.

Mehr noch: Fragt man die Frauen selbst, ziehen viele es sogar vor, sich mit unterschiedlichen Dingen gleichzeitig zu beschäftigen, während Männer viel lieber in Ruhe eines nach dem anderen erledigen.

Doch das Bild der Frau als Meisterin des Multitaskings beginnt zu bröckeln. Angekratzt wird es vor allem von Psychologen und Hirnforschern. Deren Studien lassen nämlich nicht nur keine Überlegenheit beim weiblichen Geschlecht erkennen, sondern sie stellen gleich das gesamte Konzept des menschlichen Multitaskings in Frage. ?Das gibt es gar nicht?, lautet etwa Ernst Pöppels Einschätzung. Das Gehirn sei rein physiologisch gar nicht in der Lage, auf mehrere Dinge gleichzeitig zu reagieren, erläutert der Psychologe von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität im Magazin ?bild der wissenschaft?.

Die Betonung liegt dabei auf reagieren, denn mehrere Reize parallel wahrnehmen und verarbeiten, wie es Mütter beim Aufpassen aufs kochende Süppchen und die spielenden Kinder tun, das geht durchaus. Allerdings scheint es sich auch hierbei um eine Fähigkeit zu handeln, die Frauen vor allem durch ständiges Üben besser beherrschen als Männer – und nicht etwa um eine angeborene Überlegenheit. Und wo Konsequenzen aus dem Wahrgenommenen gezogen oder gar bewusst Entscheidungen getroffen werden müssen, ist es mit dem Parallelen gleich ganz vorbei. ?Zu einem bestimmten Zeitpunkt kann immer nur ein einziger Sachverhalt im Zentrum des Bewusstseins stehen?, unterstreicht Pöppel.

Folgerichtig ist auch das Gefühl, Verschiedenes gleichzeitig erledigen zu können, nichts als eine Täuschung. In Wahrheit rasen Gedanken und Aufmerksamkeit von einer Aufgabe zur nächsten, wieder zurück und dann weiter – ein System, bei dem es nicht überrascht, dass die Effizienz stark leidet. Das haben unter anderem die beiden US-Hirnforscher David Meyer und Jeffrey Evans gezeigt, indem sie Probanden unterschiedliche Aufgaben parallel lösen ließen.

Das Ergebnis: Die Testteilnehmer brauchten nicht nur jedes Mal Zeit, um sich umzustellen, wenn sie von einer zur nächsten Tätigkeit wechselten. Sie reagierten auch langsamer und machten mehr Fehler, vor allem, wenn eine der Aufgaben zusätzlich starke Emotionen hervorrief. Insgesamt, so das ernüchternde Fazit der Wissenschaftler, schafft das Gehirn unter solchen Bedingungen nicht einmal die Hälfte der Leistung, die es ohne Ablenkung erbringen würde.

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