Vergessen Sie Feedback. Warum Feedback oft nicht funktioniert.

Ulrich Grannemann – Feedback kommt aus der Physik, genauer aus der Kybernetik. Mit Reglern wird versucht, das Ist immer mehr dem Soll anzugleichen, indem eine Kraft oder Information zurückgefüttert wird. Feedback ist Kernpunkt aller kybernetischen Regelkreise, wie wir sie z.B. von Thermostaten in jeder Wohnung kennen.

Ohne Feedback ist Lernen nicht möglich. Es gibt kein Lernmodell, egal aus welcher Wissenschaft, das ohne Rückkoppelung auskäme. Gute Kommunikation ist das Ergebnis guter Wahrnehmung verbaler und vor allem nonverbaler Signale. Jede Zahl, ja das ganze Controlling, ist ein riesiges Feedbacksystem.
 
 
Mit einer Blitzidee haben uns Joseph Luft und Harry Ingham das Joharifenster (1955) beschert, das eindringlich zeigt, wo die wirklichen Schätze für die Entfaltung unser Person liegen: Im blinden Fleck.
 
Johari-Fenster:
 
 
Informationen über mich sind…
mir bekannt
mir unbekannt
anderen bekannt
Offene Arena
Die Schätze: Blinder Fleck
den anderen unbekannt
Privates und Fassade
Black Box
 
 
In die Sozialpsychologie und damit in die Führung kam das Feedback durch Kurt Lewin, der mit seinen Trainerkollegen nach dem Seminar über das Verhalten der Teilnehmer sprach und die Teilnehmer dazu einlud, diesem Gespräch freiwillig beizuwohnen. Die Veränderungen waren wohl enorm (Zur Entstehung des Feedback in: Kurt Lewin, Leben und Werk, von Alfred J. Marrow, Beltz Verlag).
 
 
Wird Feedback in die Welt der Führung übertragen, entspringt es im Kern einer höchst autoritären Grundhaltung. Die Grundbotschaft klingt dann schnell nach: „Du bist nicht gut genug“. Eine noch so gute Gesprächsmethodik wird eine kalte, autoritäre Haltung nicht heilen können. Wenn auch noch die Methodik mangelhaft ist (wie sag ich´s meinem Kinde?), gleicht Feedback eher einem Tanz durch Natodraht („Was ich Dir noch sagen wollte…. Du, ich habe da einen Wunsch…, Du, das mit Deinem Engagement…, Ich bin zwar ganz zufrieden, aber…, Ich sehe Deine positive Absicht, aber …“). Bei Kurt Lewin war das Feedback freiwillig. Diesen Luxus habe ich als Führungskraft nicht. Ich kann und darf Ergebnisse und Verhaltensweisen, die nicht stimmen, nicht einfach laufen lassen. Feedback kann schnell zu einer Operation am offenen Herzen führen und ohne Vertrauen wird das schnell kritisch. Meines Erachtens muss Haltung und Struktur stimmen. Das, was beides zusammen führt, ist der Rahmen:
 
Feedback kann funktionieren, aber es ist wie bei gutem Sex: unter 4 Augen und beide sind einverstanden!
 
 

Mit einer unangemessenen Haltung wird auch ein Lob zur Beleidigung.  Das gilt nicht nur für die angesprochene kalte und autoritäre Form. Manchmal ist die überheblich-väterliche (oder -mütterliche) Art fast noch schlimmer.

 
Feedback außerhalb eines gemeinsam gewollten Rahmens wird schnell nach hinten losgehen.
Beispiel: „Ich würde gerne mit Dir bei jeder Aufgabe schauen, was wir das nächste Mal besser machen können“. Die Botschaft heißt einfach nur: „Ich misstraue Dir“
 
 

 

Die wichtigsten Grundhaltungen:

 

          Feedback ist kein Überfall, sondern braucht Planung, Vorbereitung, die richtige Zeit und den richtigen Ort.

          Feedback ist eine Pflicht für jeden Vorgesetzten, es ist elementarer Bestandteil des Jobs.

          Feedback ist keine Schuldzuweisung, sondern eine Gelegenheit zum Lernen. Wie würden Sie gerne Feedback bekommen, um Lust zu haben, etwas zu verändern?

          Feedback braucht den richtigen Status (siehe Der Status).

          Feedback braucht die richtige Form (siehe Feedbackregeln Kurzversion).

 

 

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