Sei doch nicht so aggressiv! (K)Ein guter Rat?

Michael Schmidt –Während man von Sportlern erwartet, dass sie aggressiv spielen, wird im normalen Berufs- und Privatleben aggressives Verhalten in der Regel abgelehnt.

Das kommt auch daher, dass in der deutschen Sprache das Wort „Aggression“ meist eine negative Grundbedeutung bzw. einen negativen Klang hat, während im englischen Sprachgebrauch „to be aggressive“ durchaus auch positiv im Sinne von „zupackend, engagiert, mit Biss, vorwärtsgewandt“ verstanden wird. Die Aggression ist uns von Geburt an mitgegeben und hat daher ganz offensichtlich auch positive Funktionen. Der amerikanische Psychologe George Bach unterteilt die Aggression in einen konstruktiven und einen destruktiven Teil:
 
Aggression (vom Lateinischen aggredi = aus sich heraustreten, heranschreiten, sich wenden an, angreifen, unternehmen, beginnen) hat als Energie, Trieb und Impuls nach Bach zwei Seiten, eine konstruktive und eine destruktive:
 
 
 
 
Der erste Schritt, meine Aggression konstruktiv zu nutzen, bedeutet, meine Zurückhaltung aufzugeben und mich zu zeigen, also etwas „aus mir heraus“ zu gehen. Oftmals kann schon dieser erste Schritt dazu führen, dass ich das bekomme, was ich möchte, weil die Anderen es wissen bzw. erfahren.
 
Sollte die erste Stufe der Aggression nicht ausreichen, mein Ziel zu erreichen, kann ich einen Schritt weitergehen und einen Wunsch oder eine Bitte äußern. Auch das ist oftmals schon ausreichend, um das zu bekommen, was ich möchte, auf eine freundliche und höfliche Art und Weise.
 
Manchmal reagieren die anderen nicht auf meine Wünsche oder Bitten, weil sie es nicht können oder nicht wollen. Wenn ich als Führungskraft aber etwas durchsetzen muss, ist es erforderlich, die nächste Stufe auf der Aggressionsleiter zu erklimmen. Jetzt wird mein Gesichtsausdruck ernst, meine Stimme klarer und härter und mein Blick nachdrücklich. Ich benutze jetzt Worte wie „ich brauche das für/bis … oder „ „das muss jetzt gemacht werden“ oder „ich erwarte von Ihnen, dass …“. Spätestens jetzt müsste mein Mitarbeiter oder Kollege erkennen, dass ich es ernst meine.
 
Sollte auch das nicht ausreichen, dann steht mir noch eine weitere Stufe der konstruktiven Aggression zur Verfügung: Die Forderung bzw. die Angrenzung. Jetzt brauche ich diese Intensität der Energie auch; sie sollte in meinem Blick, meiner Stimme und meiner Haltung erkennbar sein. Passende Äußerungen dazu sind z. B. „Das fordere ich jetzt!“ „Darüber diskutiere ich nicht mehr!“ „Es reicht jetzt!“ „Stopp!“ usw..
 
Wenn es gelingt, die eigene Aggression passend zur Situation und zu den beteiligten Personen gezielt einzusetzen und gleichzeitig zu kontrollieren, d.h.  zu eskalieren bzw. zu deeskalieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir sowohl unsere Ziele erreichen als auch respektvoll mit unserem Gegenüber umgehen. Vor allem können wir dann auf die destruktive Aggression, nämlich die Gewalt, verzichten, die nur erlaubt ist, wenn es um das eigene Überleben geht. Dass körperliche Gewalt im Geschäfts- und Privatleben verboten ist, ist Gott sein Dank gesellschaftlicher Konsens. Sie wird daher auch kaum angewendet.
 
Psychische Gewalt, oft in subtiler Form, wie Beleidigungen, Mobbing, Intrigen, Schikanen, üble Nachrede u. ä. sind hingegen leider häufiger anzutreffen und haben ähnliche Folgen wie körperliche Gewalt. Ich kann auch gegen mich selbst Gewalt anwenden, indem ich meine eigene Aggression schlucke und psychosomatische Störungen entwickle.
 
Wenn Sie lernen möchten, mit Ihrer Aggression möglichst konstruktiv und situationsgerecht umzugehen, dann beantworten Sie sich folgende Fragen:
 
  • Wie schnell und stark spüre ich meine Aggression, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es will?
  • Neige ich eher dazu, schnell „die Treppe hochzugehen“ oder warte ich zu lange, bis ich mich für meine Interessen einsetze?
  • Wie gut gelingt es mir, meine Aggression situationsgerecht zu handhaben (mich zu beherrschen bzw. sie angemessen zu äußern)?
  • Mit welchen Stufen habe ich eher Schwierigkeiten?
  • Was möchte ich in der nächsten Zeit bewusst wahrnehmen und trainieren, um mit meiner Aggression besser umgehen zu lernen?
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