Ich wähle mir meinen Vorgesetzten – müssen die „Strombergs“ dieser Welt jetzt abdanken?

Michael Schmidt – Bisher war in der Welt der Unternehmen alles klar: Vorgesetzte und Mitarbeiter wurden vom Unternehmen ausgewählt und bestimmt, und zwar manches Mal weitgehend unabhängig von der Qualifikation  der Vorgesetzten in Sachen Führung. Der Chef wurde den Mitarbeitern „vorgesetzt“ (in jeglicher Bedeutung des Wortes), nicht immer zur Zufriedenheit oder gar einhergehend mit einer Leistungssteigerung der Mitarbeiter. Muss das immer so sein?

Ein innovatives Unternehmen geht nun andere Wege. Die Firma Haufe-umantis (www.haufe-umantis.com), eine Tochterfirma der Haufe-Gruppe in der Schweiz, hat im November 2013 die Mitarbeiter ihre jeweiligen Chefs wählen lassen. „Im November 2013 stellten sich alle Führungskräfte des Anbieters für Talentmanagement-Lösungen dem Votum durch ihre 120 Mitarbeiter. 25 Kandidaten, bestehend aus CEO, COO sowie Leader und Manager aus zehn Teams, standen für 21 Stellen zur Wahl. Dabei wurden elf Vorgesetzte in ihrer Position bestätigt, sieben Mitarbeiter in das Management befördert. Drei Stellen werden extern besetzt; eine Führungskraft wurde abgewählt.“  So der Wortlaut der Presserklärung des Unternehmens. (http://www.umantis.com/presse/haufe-umantis-ag-mitarbeiter-fuehren-unternehmen/). Damit will das Unternehmen seine Mitarbeiter an strategischen Entscheidungen beteiligen und das Vertrauen in die Mitarbeiter vertiefen. Das spannende dabei:

·         Die Wahl war anonym.

·         Die Mitarbeiter (sprich Wähler) konnten Empfehlungen und Erwartungen an die Führungskräfte formulieren.

Das Ergebnis (siehe oben) hat naturgemäß einige Wellen geschlagen. So hat das gegebene Feedback (bis hin zur Abwahl!) den bewerteten Führungskräften viel abverlangt. „Die größte Herausforderung besteht jetzt darin, diejenigen, die nicht gewählt oder die abgewählt worden sind, in ihrer Rollenfindung zu unterstützen. Ob eine Führungskraft nach einem enttäuschenden Wahlausgang erfolgreich mit ihren Kollegen zusammenarbeiten kann, hängt entscheidend davon ab, auf welche Art und Weise sie Rückmeldung bekommen hat. Die Entwicklung unserer Feedbackkompetenzen wird deshalb auch in Zukunft unabdingbar für unsere Zusammenarbeit sein. Die nächste Wahl wird im November stattfinden“ sagt Marc Stoffel, CEO, in der Presseerklärung von umantis.

Wie finden Sie das, sowohl als Mitarbeiter als auch als Vorgesetzter? Kann man so dafür sorgen, dass die „Strombergs“ dieser Welt abdanken müssen und sich die „guten“ Führungskräfte durchsetzen?  Kann so das Vertrauen der Mitarbeiter gestärkt werden? Vor allem aber: Wie wirkt sich das langfristig auf die Führungskräfte und die Ergebnisse des Unternehmens aus? Kann das auch in Krisenzeiten – wenn z.B. Personal abgebaut werden soll – funktionieren oder ist das Ganze nur eine Schönwetter-Veranstaltung? Werden die Führungskräfte den Mut haben, auch unpopuläre Maßnahmen umzusetzen und sich im Zweifelsfall auch gegen die Mehrheit zu stellen? Können Mitarbeiter dann – anonym! – Ihren ungeliebten Chef ablösen? Wie wird mit dem – anonymen – Feedback umgegangen, zumal ich als Vorgesetzter keine Möglichkeit habe, das anschließend mit dem Feedbackgeber zu klären? Lauter spannende Fragen, die wohl erst nach mehreren Wahlgängen und der Beobachtung der weiteren Unternehmensentwicklung zu beantworten sein werden.

Und: Was meinen Sie? Schicken Sie uns Ihre Kommentare! Vielen Dank dafür im Voraus! Wir sind gespannt.

 

 

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