Neid

Neid, ein vermeintlich hässliches Gefühl

Bei näherem Hinsehen erweisen sich die ungeliebten Gefühle als notwendige Triebkräfte der Evolution und persönlichen Entwicklung. So auch der Neid.

Sein Platz in der Ordnung der Gefühle

Christopher Boehm vom Jane-Goodall-Institut (Santa Fe) sieht Neid als einen Teil der notwendigen Wettbewerbsorientierung in den Triebbalancen des Menschen. So versucht die Natur den Ausgleich zwischen den sozialen, den Zusammenhalt fördernden und den individuellen, die körperliche und mentale Fitness fördernden Kräften zu halten. Gäbe es den Wettbewerbsteil nicht, würden nur die freundlichen, nach Harmonie strebenden Kräfte gefördert. Dieser Zweig der Menschheit würde aussterben, weil sie zwar die stabilsten sozialen Gruppen hervorbringen aber keine Individuen, die fit genug sind, um zu jagen.

Neid: Fenster zu Bedürfnissen

Neid zeigt nun ein Bedürfnis an, er gibt also dem Wettbewerb Richtung. Ähnlich dem Traum, der Vision oder dem Wunsch, jedoch als negatives Weg-Von- oder Vermeidungsgefühl. Das Gefühl sagt also: Halte diesen Zustand nicht aufrecht. Verändere und ich werde verschwinden.

Wie geht es weiter? Tochter oder Sohn des Neids

Entscheidend ist nun, wie es weiter geht mit diesem Gefühl. Mündet es in Ehrgeiz (Streng Dich an!) oder Missgunst (Streng Dich nicht an, es lohnt sich nicht!). Ehrgeiz führt zu Leistung und den damit verbundenen Lustgefühlen. Missgunst führt zu Passivität oder zerstört, was andere besitzen.

Missgunst ist dann gerechtfertigt, wenn die Objekte des Neides zu Unrecht erlangt wurden. Ähnlich wie das Gefühl der Rache kann es gesellschaftliche Regeln verändern.

Wirkung von Arbeitslosigkeit

So ist bei Arbeitslosigkeit neben dem Verlust von Beschäftigung und Zugehörigkeit das Abgeschnitten-Sein von den sichtbaren Treppen zum Erfolg der vielleicht größte Verlust. Kann ich nicht erkennen, dass Handeln zu Erfolg führt, nimmt die subjektive Wahrscheinlichkeit des Erfolgs und damit die Motivation ab.

In den öffentlichen Räumen, auf den Straßen, in den Discos und im TV usw. sieht man zwar die Ergebnisse des Erfolgs, aber nicht, wie sie entstanden sind.

Die Wege zum Erfolg liegen auf einmal außerhalb des Erfahrungsraumes. Das, was früher in der Familie, im Dorf, im Stadtteil stattfand und damit Entwürfe für Karrieren lieferte, ist der Wahrnehmung und dem Miterleben entrückt.

Was kann ich als Führungskraft tun?

Für mich selbst:

  • Welches ist das Objekt des Neides? Gibt es etwas daran, was ich mir nicht erlaube?Was hindert mich? Welches Ziel oder welcher Auftrag verbirgt sich dahinter? Was müsste ich tun, um das zu erreichen? Bin ich bereit, den Preis zu zahlen?
  • Die Neugier auf die Wege anderer. Zuhören und Lesen: Erzählte wie geschriebenen Biographien
  • Fantasie im Ausmalen möglicher Wege und Ziele, Tagträumen nicht nur der Ziele, sondern der vielen Meilensteine und Zwischenschritte auf dem Weg dorthin

Für meine Mitarbeiter:

  • Möglichst viele Entwicklungspfade und -wege aufzeichnen und aufzeigen.
  • Möglichst viele auch kleine Zwischenschritte beschreiben und erkennbar machen.
  • Die Wege anderer transparent machen (warum ist der andere befördert worden? Was hat sie/er getan?)
  • Verdeckte Kuppelgeschäfte unbedingt vermeiden (Förderung aufgrund irgendwelcher Gegenleistungen, die nichts mit Leistung zu tun haben, wie alte Versprechungen, Insiderwissen)

Auch hier gilt, dass Transparenz, Realitätsbezug und möglichst feingliedriges Feedback am schnellsten den Weg vom Neid zur Motivation ebnen.

 

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