Von der richtigen Nutzung unserer Angst

Vom Nutzen der Angst

Auch wenn es extreme pathologische Formen von Ängsten gibt, ist Angst als Emotion zunächst einmal eine unverzichtbare Fähigkeit.

Sie ist überlebenswichtig und ohne sie wäre die Menschheit längst ausgestorben.

Synonyme, andere ähnliche Begriffe sind: Furcht, Sorge, Unruhe.

Ur-Funktion und Ur-Nutzung der Emotion Angst ist der Schutz unseres Lebens. Angst lässt uns Dinge vermeiden, die unser Leben und unsere Gesundheit gefährden könnten.

Übertragung auf andere Werte

Dieses Urgefühl haben wir evolutionär mitgenommen, auch in Welten und Umwelten, die unsere Vorfahren doch als sehr sicher empfunden hätten. Der Angstmechanismus wird übertragen auf Situationen, die zwar nicht für unseren Körper gefährlich sind, aber andere Werte bedrohen. (Zugehörigkeit, Ansehen, Status, Nähe etc.)

Auslöser

So können scheinbar ganz banale Anlässe für Ängste sein: Meetings, Präsentation, eine Reise mit Umsteigen, neue Umgebungen, Aufgaben, Menschen?

Fehlleitungen der Angst-Energie

Wird zu viel Energie der Angst freigesetzt oder fehlgeleitet, entstehen

1. Lähmeffekte (Totstellen)
2. Diffuse Unruhe (Kampf ohne Objekt)
3. Vermeidung (Flucht ohne Richtung)

Ziel der Angst-Energie: Aktion und Lernen

Ziel ist es die Situation nicht zu vermeiden, sondern anzugehen, sie unter Lerneffekten mit den richtigen vorbereitenden Aktionen zu bewältigen und die Angst-Energie von einer Aversionsenergie in eine Appetenzenergie der Herausforderung umzuwandeln.

Schritt 1: Identifikation des Gefühls

Das Gefühl bzw. die momentane Empfindung in einer Situation muss zunächst identifiziert werden. Handelt es sich beispielsweise um Lampenfieber oder um Verdrändungstendenzen? Wie verhalten sich Intensität, Ort und Veränderungsmuster des Gefühls?
Wo sitzt dieses Gefühl körperlich? Im Bauch, wo da genau? Wie stark ist es? Bleibt es konstant? Kommt es in Wellenbewegungen?

Diese etwas ungewöhnlichen Gedankenoperationen stärken die Unabhängigkeit vom Gefühl.
Indem das Gefühl zu einem Objekt gemacht wird, ist es möglich sich vom Gefühl zu dissoziieren, womit die Voraussetzung für den nächsten Schritt geschaffen wird.

Schritt 2: Fenster der Veränderung

Solange wir im Fluss von Reiz und Reaktion liegen, können wir die Weiche nicht umstellen. Wir brauchen ein Fenster der Veränderung, in dem wir unseren Gedanken, Gefühlen und Reaktionen bewusst eine andere Richtung geben können.

Schritt 3: Welcher Teil der Zukunft sendet die Angst? Eine Entscheidung!

Woher kommt die Angst, worauf könnte sie sich beziehen? Nicht immer ist die Antwort hierauf eindeutig. Wenn sich mehrere Situationen anbieten, wird man sich entscheiden müssen. Geht es um das nächste Meeting oder die Sicherheit im Alter oder die Zukunft des Partners oder der eigenen Kinder? Im Grunde ist dieser hier beschriebene Selbstcoachingprozess nichts anderes als eine schrittweise ?Entnebelung?

Schritt 4: Drehen Sie den Film

Nutzen Sie eine der erstaunlichsten Fähigkeiten unseres Gehirns. Nämlich die Imagination einer Zukunft, die es nicht gegeben hat.

1. Setzen Sie einfach einen Startpunkt für Ihr Video und lassen Sie es laufen. In der Regel ?sehen? wir diesen Film nicht in Echtzeit, sondern eher wie eine DVD im Schnellvorlauf, allerdings mit unregelmäßigen Sprüngen und der Möglichkeit längerer Verweildauern bei einzelnen Punkten.
2. Was genau könnte schief gehen? Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Der größte anzunehmende Unfall, die so genannte GAU-Phantasie? Wo stoppt der Film? Wo verliert er sich wieder im Diffusen? Und was genau kann man an diesem Punkt tun?
3. Was heißt ?schief gehen?? Was wird wirklich von mir erwartet? Sind es die Erwartungen der Anderen oder sind es meine eigenen Erwartungen (eigene innere Ansprüche oder Antreiber, die ich fürchte, nicht erfüllen zu können. Sind die Erwartungen zu hoch?
4. Kläre die Erwartungen! Die Klärung der eigenen Erwartungen und die der Anderen. Sind sie zu hoch? Können sie angepasst werden? Wenn nein, wie komme ich da heraus? Oder wie kann ich die Herausforderung angehen? Wie wäre es, wenn ich einfach frage?
5. Was habe ich in ähnlichen Situationen getan? Welche Lösungen bieten sich an. Was könnte ich tun? Wenn mir nichts einfällt:
6. Wen könnte ich fragen? Wer war schon mal da? Wer kennt einen, der einen kennt? Wer könnte mir weiterhelfen? Welche Ressourcen brauche ich, um eine Lösung zu finden?

Schritt 5: Drehen Sie den Film neu!

Es bleiben sicher immer Bereiche der Filme, die unscharf sind, die sich nicht im Detail planen lassen. Bringen Sie die Planungen soweit zu Ende bis sich die Angst in Lust auf neue Erfahrungen verwandelt hat. Freuen Sie sich über die Intelligenz Ihrer Gefühle und gehen Sie vielleicht den nächsten ?Angstsender? oder ?Angstengel? an.

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