Chefsessel werden Schleudersitze

Führungskräfte in Deutschland und der Schweiz werden immer schneller entlassen.

Der Grund: Immer früher sollen sie volle Leistung bringen und Erfolge vorweisen. Nicht immer gelingt das.

Bei neun von 20 Firmen des Schweizer Standardwerteindex SMI wurden innerhalb des vergangenen Jahres die Chefs ausgewechselt. Auch in Deutschland ist die Fluktuation hoch. Es zeigt sich, dass die CEOs im Schnitt nur noch vier bis fünf Jahre an der Spitze eines Unternehmens bleiben. Coaching-Fachleute warnen: Das liegt häufig daran, dass es nicht gelingt, aus Fachleuten und Vertrauten rechtzeitig ein Team zu schmieden.

"Jeder Mitarbeiter für sich genommen ist gut. Die Schlüsselpositionen sind exzellent besetzt. Und doch – das Team ist schlecht." – Unternehmensberater kennen diese Situation aus ihrer täglichen Arbeit. Häufig installieren neue Chefs nach ihrem Start Vertrauensleute auf wichtigen Posten. Die holen wiederum den einen oder anderen Adlatus aus früheren Jobs nach. Zeit, sich aneinander zu gewöhnen, gibt es jedoch selten.

Es reiche nicht, eine Gruppe von "Hochleistern" zu rekrutieren, bei denen die Einzelleistungen top seien, wenn die Mitarbeiter keine Zeit bekämen, zu einem Team zusammenzuwachsen, bestätigt Christina Künzle von der Beratungsfirma Choice in Zürich. "Durch die Neubesetzung will der Chef Risiken minimieren, doch durch die mangelnde Zusammenarbeit der neuen Mannschaft entstehen ganz schnell neue Risiken."

Zwei Aufgaben in Minimalzeit lösen

Zudem gilt es zu beachten: Ein Chefwechsel wird oft durch eine Unternehmenskrise ausgelöst. Der "Neue" hat damit eine doppelt schwierige Aufgabe – einerseits muss er sein Arbeitsumfeld schnell kennenlernen und andererseits in kürzester Zeit praktikable Strategien entwickeln, die das Geschäft wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.

Das Feld der Teambildung wird bei all dem meist unterschätzt. Dabei zeigen aktuelle Untersuchungen, dass 70 Prozent der Abgänge aus den Chefetagen im deutschsprachigen Raum mit Führungsschwächen begründet werden und nicht mit schlechten Unternehmenszahlen.

Audit, Training, Führungsseminar

Unternehmensberater warnen deshalb, das Team geringzuschätzen. Sie empfehlen Management Audits, wenn es hakt. Außerdem interkulturelle Seminare, da in multinationalen Teams zunehmend verschiedene Führungsstile und Umgangsweisen nötig sind. Kompetenz und Führungsstärke trainieren viele betroffene Manager zudem in Persönlichkeitstrainings.

Die niederländische Business School der RSM Erasmus Universität filterte sechs besonders wichtige Merkmale für Führungskräfte heraus:

? Ethik
? Vielfalt
? Multikulturelle Erfahrung

? Hightechversiertheit

? Anpassungsfähigkeit

? "Faktor X"


Wirkliche Führungskräfte


Die Wissenschaftler verweisen darauf, dass es nicht mehr ausreicht, ein guter Geschäftsmann zu sein, um seinen Chefposten zu sichern. Neben technologischem Know-how und Managementwissen zählt vor allem Flexibilität. Und "das gewisse Etwas", der Faktor X, der das Charisma der Führungspersönlichkeit ausmacht.


Beratungsunternehmen wie Choice raten dazu, anhand solcher Kriterien neue Chefs zu echten Führungskräften aufzubauen und zu entwickeln. Zu Leitern, die das Team tatsächlich anleiten, motivieren und sich selbst zu Mentoren der Mitarbeiter machen. Dabei gilt es zunehmend, nicht nur global, sondern auch sozial zu denken und kommunikative Fähigkeiten zu erweitern. Künzle bietet in ihrer Beratung dafür ein Executive Coaching mit neuem Ansatz. "Wir erarbeiten, wie am konstruktivsten mit Widerstand umgegangen werden kann und die Heterogenität in einer Gruppe zu einer Vielfalt wird, die besonders gute Ergebnisse ermöglicht."

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