Ohne Vertrauen geht nichts

Vertrauen gehört zu den schwer fassbaren externalen Größen einer Volkwirtschaft, die schwer oder gar nicht zu berechnen sind, aber über den eigentlichen Wert einer Volkswirtschaft entscheidet. Ist kein Vertrauen vorhanden, laufen die Geschäfte häufig nicht nur schlechter, sie laufen gar nicht.

Vertrauen ist Voraussetzung für wirtschaftliches Handeln. Das gilt auch für die Situation der Führungskräfte.

Vertrauen hat einen Vorschuss- und einen Erarbeitungscharakter. Blindes Vertrauen kann zum Totalverlust führen.
Ein einzelner Banker verspielt fünf Milliarden Euro. Da gab es wohl zu viel Vertrauen und zu wenig Kontrolle?

Bei jedem Vertrauensmissbrauch wird immer gleich nach Kontrolle gerufen. Das ist ein Reflex, der wenig bringt. Wer kontrolliert die Kontrolleure? Das führt nur zu einer Spirale des Misstrauens.

Vertrauen ist nicht mehr als die Fiktion von Gewissheit. Wer vertraut, handelt, als ob er optimistisch in die Zukunft blicken kann. Doch die Ungewissheit vieler Lebensbereiche kann allenfalls vorübergehend ausgeblendet werden. Wird das vergessen, kommt es zu exzessivem oder blindem Vertrauen.

Jetzt lernen wir unter Schmerzen, genauer hinzuschauen.

Vertrauen wird alltäglich in Frage gestellt. Weil aber auf den Finanzmärkten alles mit allen zusammenhängt, kommt es dort rasch zu Kettenreaktionen. Fehlt das Vertrauen in einer Ehe, führt das nicht gleich zu einer Scheidungswelle. Dagegen löst im Finanzsektor ein Vertrauensschwund rasch die Katastrophe aus.

Streifzug durch die Literatur

In den vergangenen Jahren sind unzählige Bücher zum Thema Vertrauen erschienen. Unübertroffen ist aber bis heute der 1967 erschienene Klassiker des Soziologen Niklas Luhmann ("Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität"). Luhmann bekennt zwar seine "Vorliebe für Vertrauen", besteht aber darauf, "dass Vertrauen keine ausnahmslos gültige Verhaltensmaxime sein kann". Vertrauen macht das Leben einfacher, und ohne Vertrauen in den Markt käme alles Wirtschaften zum Erliegen. Aber manchmal eben ist eher das Misstrauen die ethisch besser gerechtfertigte Haltung.

Eine gute Orientierung über die neuere Vertrauensdiskussion in den Sozialwissenschaften bietet die Studie von Guido Möllering ("Trust: Reason, Routine, Reflexivity". Oxford 2006). Der Max-Planck-Forscher zeigt, wie Rational-Choice- und Spieltheorie sich am Verständnis des Vertrauens abarbeiten, aber es letztlich nicht völlig verstehen können. Hilfe holt sich Möllering daher von Pragmatismus und Existentialismus, die den "Sprung des Glaubens" als Initialzündung des Vertrauens erkannt haben.

Ähnlich argumentiert der von Gerhard Schwarz herausgegebene Sammelband ("Vertrauen. Anker einer freiheitlichen Ordnung". Zürich 2007), der zugleich auch Texte über Vertrauen in Finanz, Wirtschaft, Medizin, Sport, Recht präsentiert. Klar wird: Vertrauen kann durch nichts ersetzt werden. Selbst der Wettbewerb, Garant einer effizienten Wirtschaftsordnung, ist nur ein ungenügendes Substitut für Vertrauen.

Wer verstehen will, warum die Mafia gegen Schutzgeld Vertrauen verkauft und damit eine Welt voller Misstrauen schafft, muss dringend bei Diego Gambetta nachlesen ("Mafia: The Price of Distrust". In: "Making and Breaking Co-operative Relations". Oxford 1988).

Die neuesten ökonomischen Vertrauensdebatten sind aufgearbeitet bei Paola Sapienza et al. ("Understanding Trust". National Bureau of Economic Research. Working Paper 13387. September 2007). Grundlegend ist die Einsicht, dass Vertrauen immer zwei Komponenten hat: Es ist abhängig von den Präferenzen des Vertrauensgebers (je risikoaverser, desto misstrauischer) und von der auf Erfahrung und anderem basierenden Glaubwürdigkeit des Vertrauensnehmers.

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