Die Glückspolitik

Regierungen auf der ganzen Welt suchen nach dem "Bruttoinlandsglück"
 
Wirtschaftswachstum ist wirklich nicht alles, um glücklich zu sein. Für diese Erkenntnis musste der französische Präsident Nicolas Sarkozy nicht erst auf eine Rezession warten. Schließlich bleibt das Wachstum Frankreichs schon seit einigen Jahren etwa hinter dem der Vereinigten Staaten zurück. Sarkozy aber wähnt, dass die Franzosen mit ihrem Leben auch in Zeiten des Abschwungs trotzdem ganz zufrieden sind.

Also beauftragte Sarkozy schon früh im vergangenen Jahr die Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen damit, das französische Bruttoinlandsprodukt um einen Glücksfaktor zu erweitern.

Die beiden Forscher arbeiten zwar noch, anderswo gibt es aber schon Ergebnisse. Denn die Idee ist schon älter, sie stammt aus dem kleinen Königreich Bhutan zwischen China und Indien. Dort hat es ein früherer König in den 70er Jahren zum wichtigsten Ziel der Wirtschaftspolitik erklärt, das "Bruttosozialglück" zu verbessern.

Dieser Ansatz gefiel Umweltschützern und Wirtschaftskritikern. Schließlich leidet die Umwelt oft, wenn sich das Bruttoinlandsprodukt erhöht. Das fängt schon mit Fabriken an, die viel Energie verbrauchen und Abgase ausstoßen. Inzwischen hat sich die Idee auf der ganzen Welt ausgebreitet. Derzeit überlegt auch die Industrieländer-Organisation OECD, wie sich das Glück in ihren Mitgliedsländern am besten messen lässt.

Mittlerweile messen die unterschiedlichsten Leute das Glück – ebenso unterschiedlich sind auch die Ansätze. Mit einer einfachen Umfrage unter den Einwohnern der Länder gibt sich niemand gerne zufrieden. Meist geht zumindest noch die Lebenserwartung in den Glücksindex ein. Einige Experten dringen auch darauf, dass in solchen Messungen zudem der Zustand der Umwelt berücksichtigt wird, das Selbstbewusstsein der Menschen oder ihre Bildung.

Der Schweizer Ökonom Bruno Frey warnt allerdings: Wenn jetzt jedes Land einen differenzierten Index für das Bruttosozialglück aufstellt und danach alles tut, um diesen Index in die Höhe zu treiben, bleiben andere Faktoren eines glücklichen Lebens wieder unberücksichtigt – und zwar die, die dieses Land in seinem Index nicht berücksichtigt hat.

Zumal die Auswahl der Ziele selbst eine politische Frage ist. Das zeigt der Index Bhutans, mit dem die Suche nach dem Bruttoinlandsglück überhaupt erst angefangen hat. In deren Glücksmessung geht nämlich nicht nur ein, wie viel die Menschen verdienen, wie oft sie sich mit ihren Freunden treffen und wie weit sie zum nächsten Krankenhaus laufen müssen. Das bhutanische Glück ist erst dann perfekt, wenn die Menschen auch täglich beten, die Sagen ihrer Vorfahren kennen und keine Kleidung aus zweiter Hand kaufen.

Geld macht nicht glücklich? Die Umfragen zeigen etwas anderes.
Auf diesen Karten steht links, wie reich die Menschen in welchem Land sind – und rechts, wie glücklich sie mit ihrem Leben sind. Dazu haben die Meinungsforscher von Gallup in jedem Land 1000 Menschen die Glücksfrage gestellt, die von den Menschen in jedem Kulturkreis gleich beantwortet wird: Wenn Sie sich Ihr Leben als Leiter vorstellen, auf welcher Sprosse stehen Sie? Je weiter oben die Menschen stehen, desto glücklicher sind sie mit ihrem Leben. Es zeigt sich: Die Menschen in den reichen Ländern sind tendenziell glücklicher. Am besten fühlen sich die Dänen, die sich im Durchschnitt fast auf Stufe acht sehen, am unglücklichsten sind die Einwohner von Togo. Die Deutschen dagegen sind ziemliche Miesepeter. Ihnen geht es zwar ziemlich gut, trotzdem fühlen sie sich unglücklich. Anders die Mexikaner: Sie sind zwar ärmer, aber viel besser drauf. 

 

  

 

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