Die neue Kultur des Misstrauens

Rudolf Kahlen – Führungskräfte schüren mit Schreckensszenarien die Ängste der Mitarbeiter – und lähmen so deren Engagement. Das zeigen die Ergebnisse einer exklusiven Capital-Studie.

Mit der Wirtschaftskrise verflüchtigt sich auch die viel gepriesene Führungskultur in deutschen Unternehmen. So das Ergebnis einer exklusiven Capital-Studie. Konkret spüren 68 Prozent der Befragten, dass Vorgesetzte mit Verweis auf die wirtschaftliche Lage, böse Konkurrenten und anstehende Umstrukturierungen im Betrieb verstärkt Druck ausüben.
Die Folge: 40 Prozent haben Angst, Fehler zu machen, jeder Zweite glaubt, eine Entlassung sowieso nicht beeinflussen zu können. Sage und schreibe 45 Prozent trauen ihrer Führungskraft nicht über den Weg. Annähernd jeder Dritte vermutet, der Vorgesetzte misstraue ihm ebenso.
 
Konsequenz: Die Mehrheit der Beschäftigten ist weniger loyal, leistungsbereit und engagiert. "Die Vertrauensbasis zwischen Chef und Team ist dahin", stellt Marcus Schmitz von der Kölner IGS Organisationsberatung fest. Er hat die Studie konzipiert und ausgewertet. Dafür äußerten sich 498 Teilnehmer, mehrheitlich Manager und Fachkräfte, auf capital.de zur aktuellen Führungspraxis.
Managementberater und Bestsellerautor Reinhard Sprenger hat für dieses frustrierende Bild des Arbeitsalltags eine Erklärung: "Viele Mitarbeiter empfinden ihren Vorgesetzten als Agenten des Kapitals. Sie projizieren alle beruflichen Ängste auf ihn und unterstellen ihm eine Gestaltungs- und Entscheidungsmacht, die der faktisch oftmals nicht hat."
 
Für Großansicht anklicken.Und wie gehen Führungskräfte mit dieser Situation um? "Den Mitarbeitern vor allem reinen Wein einschenken", rät Sprenger, "und ungeschminkt sagen, wie die Lage ist." Aus Sicht des Beraters und Psychologen hat das Oswald Grübel, der neue Chef der Schweizer Großbank UBS, vorbildlich gelöst.
Der deutsche Banker schrieb kurz nach seinem Amtsantritt eine E-Mail an alle Mitarbeiter, in der er skizzierte, wie es aus seiner Sicht um das Geldhaus bestellt ist, welche Jobs zur Disposition stehen und wo er den Konzern künftig sieht. "Solche Klarheit schafft Vertrauen." Deshalb sei es so wichtig, im Führungszirkel darüber nachzudenken, welche Zukunft ein Unternehmen nach der Krise hat. Und das auch zu kommunizieren. Damit signalisiere der Vorstand vor allem eines: "Wir haben noch viel gemeinsam vor."
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