“Sich Sorgen machen” – aber richtig!

Eine Glosse und Hommage an die Sorge

 

Ulrich Grannemann – „Sich Sorgen machen“ ist eine wichtige, notwendige menschliche Fähigkeit. Wie gut ist sie bei Ihnen ausgeprägt?  Und wie gut nutzen Sie Ihre Sorgen? Als Führungskraft wird die Welt, die Sie zu steuern haben, nicht gerade kleiner. Bei vielen nimmt mit der Verantwortung auch das Maß an Sorgen zu.

 

Eingebauter Terminkalender

 

Sorgen (eigentlich: Für-sich-Sorgen) sind Hinweise aus dem Unbewussten, was heute zu tun sein könnte. Sorgen ist also die von der Natur eingebaute tägliche To-Do-List mit automatischer Priorisierung, die sich gerne schon mal morgens mit dem Aufwachen meldet („Guten Morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon da?“).

Leider bleiben diese Hinweise häufig zu diffus und werden gerne viel zu schnell verdrängt. Sie müssen für das Bewusstsein transformiert/übersetzt werden. Sonst können wir damit nichts anfangen.

 

Verdrängte Sorgen können ganze Tage vergiften

 

Das Verdrängen lässt diese Hinweise ja nicht verschwinden. Sie versuchen danach immer noch ins Bewusstsein zu dringen. Der fehlende Transfer vom Unbewussten ins Bewusstsein macht nicht selten einer dieser irgendwie ruhelosen, rastlosen, diffus getriebenen, Da-War-Doch-Irgendwas-Tage.

 

Viele dieser verdrängten Hinweise landen dann unbehandelt und ungenutzt auf dem Komposthaufen der unerledigten Geschäfte, von dem sich dann später gut ein ausgewachsener Burnout düngen und ernähren lässt.

 

Die Summe der Sorgen scheint konstant

 

Dabei scheint die Summe der Sorgen immer gleich zu sein. Egal wie es einem Menschen nach objektiven Umständen gehen mag. Der eine fragt sich, was er später Essen, Trinken und wo er schlafen soll, der andere fragt sich welchen Porsche er kaufen, warum der Poolwart eine Stunde später gekommen ist und ob man noch ein Ferienhaus kaufen sollte.

 

Sorgen sind Botschaften des Unbewussten

 

Ihr Unbewusstes sagt: Es könnte was passieren, etwas schief gehen, das war doch ein seltsamer Ton in der Stimme des Gesprächspartners am Telefon, oder in der Körpersprache des Herrn Y. Oder was passiert, wenn ich arbeitslos werde, keine Aufträge mehr kommen, die Zinsen nicht mehr zahlen kann, mein Partner mich verlässt?

 

Die Qualität und Intensität der Sorgen ist höchst unterschiedlich. Mit einigen lässt sich nichts anfangen: Die Scheinsorgen z.B. erweisen sich beim näheren Hinsehen als Luftblasen. Sie verschwinden wie „Asseln ins Nichts“, wenn man den Mut gefasst hat, den Stein umzudrehen. Die großen „Weltsorgen“ sind wertlos, wenn wir nichts machen können. Manche Sorgen sind längst verarbeitet. Es ist nur vergessen worden sie zu entsorgen und so machen sie als Blähung im psychischen Dickdarm nichts als unnötigen Ärger.

 

Gute und schlechte Sorgen

 

Gute und sinnvolle Sorgen sind die, die sich in Handlungen umwandeln lassen.

Machen Sie eine Sorgeninventur und ein Sorgenportfolio (Größe/Bedeutung und Machbarkeit als Achsen) und stellen Sie sich Sorgen als die Ankerpunkte und Meilensteine in Ihrer Zukunft vor. Wie genau ziehen die Sorgen Sie in Ihre Zukunft? Ohne Sorgen – keine Zukunft. Diese Formel hört sich nur im ersten Augenblick gewagt und abenteuerlich an. Die Sorgen lassen uns die richtigen Dinge lernen, die richtigen Maßnahmen ergreifen.

 

Denken Sie Ihre Sorgen zu Ende. Was genau passiert, wenn das stimmt, was mir die Sorge zuflüstert? Wie schlimm ist das wirklich? Wie wahrscheinlich ist das wirklich? Und wenn es schlimm und wahrscheinlich ist, was ist dann der erste Schritt, der sich daraus ergibt?

 

 

Ein Leben ohne Sorgen?

 

Tun Sie mal so, als hätten Sie keine Sorgen. Sie wären glücklich und zufrieden. Sie würden lächeln wie ein Honigkuchenpferd, die Endorphine würden wirken. Was glauben Sie ab wann würden Ihnen dieser Zustand langweilig werden? So grinsend und etwas blöd vor sich hin zu sitzen so ganz ohne Sorgen. Vielleicht ist Sorge nur die andere Seite der Münze, die da Glück heißt.  

 

Wenn Sie Ihre Intuition ernst nehmen, dann sollten Sie auch Ihre Sorgen lieben und nutzen.  Und dann denken Sie morgen früh beim Aufwachen mit einem Lächeln: „Guten Morgen liebe Sorgen…“

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