Der Loyalitätskonflikt

Loyal nach oben oder loyal nach unten?

Loyalität in Beziehungskonflikten oder Ressourcenkonflikten
 
Ulrich Grannemann – Ein Loyalitätskonflikt entsteht, wenn ich zwei Verträge oder Vereinbarungen eingegangen bin, die sich widersprechen. Entweder habe ich selbst diesen Widerspruch erzeugt, oder er entsteht dadurch, dass die Vertragspartner die Bedingungen ändern (Kinder die von den Eltern gezwungen werden, sich für Vater oder Mutter zu entscheiden). In Konfliktfällen ändern die Vertragspartner ihre Bedingungen drastisch: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“ Ich muss mich in diesen Fällen entscheiden.
 
Typische Fälle sind: Der Chef möchte etwas anders als der Chef-Chef. Ihr Linienvorgesetzter möchte den letzten Tag des Jahres – der Projektleiter auch. Sie haben der einen Seite etwas versprochen, in der Hoffnung, dass die andere Seite keinen Anspruch darauf erhebt. Auch das ist das Ergebnis unklarer Vereinbarungen oder der Überschreitung meiner Entscheidungskompetenzen. Ursache dieser Konflikte sind nicht selten der Hang mächtiger und unabhängiger zu scheinen, als ich bin.
 
Loyalitätskonflikt als Folge von Unterverantwortlichkeit
 
Wie baue ich mir sozusagen einen Loyalitätskonflikt?
Illoyalität ist dann das Ergebnis von Unterverantwortlichkeit.
Sie sagen zum Mitarbeiter: „Was die da oben wieder machen! Unglaublich!“
Subtext: „Ich kann nichts dafür. Die anderen sind doof.“ Anstatt selbstverantwortlich: „Ich konnte mir kein Gehör verschaffen.“
 
Oder zur anderen Seite:
Sie sagen zum Chef: „Was ich hier für Mitarbeiter habe! Sie glauben es nicht!“ Das gleiche Phänomen: Rechtfertigung als Ausdruck der Unterverantwortlichkeit.
 
Wer nicht für sich steht, hängt entweder an der einen oder anderen Seite und ist damit im Konfliktfall illoyal der anderen Seite gegenüber. Ein Fähnchen im Winde.
 
Loyalität ist ein Frage des Verhaltens
 
Ich muss nicht illoyal dem Chef gegenüber werden, wenn ich eine Entscheidung weder nachvollziehen noch gut finden kann. Auch muss ich nicht illoyal dem eigenen Mitarbeiter gegenüber werden, wenn sich Dritte über ihn beschweren. Hier ist der Verrat billig zu haben. Hier ist Loyalität eine Frage des Verhaltens. „Ich kann es nicht nachvollziehen oder verstehen, aber sie/er hat sicherlich Gründe, die ich in diesem Augenblick nicht kenne“.
 
 
Zum Abschluss:
 
Loyalitätskonflikt als Haltung:
 
Gehorsam ist nicht Loyalität
nach oben und nicht das,
was der Chef möchte.
 
Nicht-Führen ist nicht Loyalität
nach unten und bedeutet nicht
Freiheit des Mitarbeiters.

 

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