Wachstum kann man lernen

Michael Schmidt – Wie kleine und mittlere Unternehmen Wachstumspotenziale erschließen können. Erfahrungsbericht aus einem Forschungsprojekt. 

Forschungsprojekte, insbesondere im Bereich der Sozialwissenschaften, erwecken nicht selten den Eindruck, dass da etwas erforscht wird, was eh längst jeder weiß. Das Forschungsprojekt „Wachstum lernen, lernend wachsen“, das im Zeitraum von 2008 – 2011 ermitteln sollte, was genau kleine und mittlere Unternehmen (KMU) tun können, um ihr Wachstum aktiv zu gestalten, erschien auf den ersten Blick genau in diesen Erkenntnisrahmen zu passen. Dennoch nahm ich nach anfänglicher Skepsis als Berater teil, weil ich mir davon neue Anregungen, gerade auch durch die wissenschaftliche Begleitung, für meine Arbeit erwartete.
 
Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Innovationsstrategien jenseits traditionellen Managements“ gefördert. Die Projektpartner
 
·         Hochschule RheinMain (Institut für Weiterbildung im Beruf – iwib)
·         RKW Deutschland GmbH und
·         Die regionalen RKWs in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Baden-Württemberg
 
entwickelten in Kooperation mit 127 KMU in der Diagnosephase und mit 26 KMU in der Erprobungsphase des Projektlernens die praxiserprobte und wissenschaftlich fundierte Methodik und das dazu gehörende Instrumentarium, mit denen KMU
 
·         sich systematisch Wachstumspotenziale erschließen
·         ihre Organisation auf qualitatives und quantitatives Wachstum in schwierigen wirtschaftlichen Umfeldern ausrichten
·         Wachstumsfolgen besser bewältigen und
·         durch gezielte Mitarbeiterentwicklung eine „schlagkräftige“ Mannschaft aufzubauen und damit Unternehmer für Zukunftsaufgaben freispielen können
 
(frei zitiert nach dem Vorwort des Buches T. Hardwig /M. Bergstermann / K. North: Wachstum lernen, Gabler-Verlag, Wiesbaden 2011, siehe unten).
 
In der Diagnosephase wurden 127 KMU nach Treibern und Hemmnissen des Wachstums ihres Unternehmens befragt. Als wesentliche Hemmnisse wurden folgende Faktoren ermittelt:
 
·       Eine große Bedrohung des Marktes der KMU durch Ersatzprodukte
·       Schrumpfende oder stagnierende Märkte
·       Beschaffung von Personal / Fachkräftemangel
 
Diese Hemmnisse betreffen jedoch alle Unternehmen aller Branchen, und alle erscheinen eher von außen vorgegeben als von den KMU direkt gestaltbar.
 
Als wesentliche Treiber des KMU-Wachstums wiederum wurden folgende Faktoren identifiziert (in der Reihenfolge ihrer Bedeutung):
 
·       Kompetenz der Mitarbeiter
·       Außergewöhnliche Produkte / Leistungen
·       Unternehmenskultur
·       Überzeugende, stimmige Geschäftsstrategie
·       Starke, unternehmerische Führung
·       Entwicklung und Einsatz neuer Technologien
 
Bei einer tiefer gehenden Datenanalyse kristallisierten sich aus den genannten Treibern drei wesentliche Erfolgsfaktoren heraus:
 
·       Kompetenz der Mitarbeiter
·       Überzeugende, stimmige Geschäftsstrategie
·       Starke, unternehmerische Führung
 
So weit so gut, könnte man jetzt sagen: das wussten wir doch Alles schon längst! Die Projektpartner beließen es aber nicht bei dieser Analyse, sondern entwickelten daraus in Zusammenarbeit mit 26 KMU in konkreten Projekten eine Methodik und detailliertes Analyse-Handwerkszeug, mit der die unternehmensspezifischen Wachstumshebel identifiziert und in Wachstumsprojekte umgesetzt werden können. Wesentliche Elemente dieser Methodik sind die 8 Wachstumshebel und das Projektlernen (siehe folgende Grafik):
 
 
 
Die 8 Wachstumshebel dienten den teilnehmenden KMUs zur Identifizierung ihrer jeweiligen Wachstumshemmnisse und somit als Ausgangspunkt für ihre Gestaltungsprojekte zur Steigerung des Wachstums. Erfahrene Berater begleiteten die KMUs bei der Umsetzung der Projekte und halfen den Wissenschaftlern, die Methodik an Hand der praktischen Erfahrungen damit in den Projekten mit den KMU weiterzuentwickeln und zu konkretisieren. Die Wissenschaftler wiederum begleiteten die Projekte kritisch und erarbeiteten aus der Gesamtheit der Projektverläufe und –ergebnisse die nunmehr in Buchform vorliegende wissenschaftlich fundierte Methodik.
 
Als langjähriger Berater war ich erst skeptisch, ob und wenn ja was mir dieses Projekt an Neuem bieten sollte. Nun, nach fast 3 Jahren, 2 Projekten zur Unternehmensentwicklung in KMUs und einer Vielzahl von Workshops bin ich zufrieden und stolz, daran mitgewirkt zu haben, und jenseits meines Erkenntnisgewinns in Bezug auf neue Methoden und das aktive Reflektieren des fortlaufenden Projektlernen bleibt die zeitlose Erkenntnis:
 
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
 
Dafür kann ich das Buch als Anregung, Werkzeugkasten und als Möglichkeit, von praktischen Erfahrungen anderer Unternehmen (und nicht nur KMUs) zu lernen, nur empfehlen.
 
Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie unter www.lernend-wachsen.de.

 

Buchtipp

Wachstum lernen:
Eine praxiserprobte Handlungsanleitung zur Entwicklung dynamischer Fähigkeiten in KMU. Mit vielen Fallbeispielen


Thomas Hardwig, Manfred Bergstermann, Klaus North

Taschenbuch: 232 Seiten
Verlag: Gabler Verlag; Auflage: 2011 (16. August 2011)
ISBN-10: 383492816X
 

 

 

 

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