18 Varianten, “NEIN” zu sagen.

Michael Schmidt – 66 Prozent der Arbeitnehmer empfinden ihr Arbeitspensum als zu hoch. Oft kommen dann noch private Termine und Verpflichtungen dazu. Kein Wunder, dass die Anzahl der Belastungsstörungen (z. B. Burnout) zunimmt.

Dabei gibt es eine Überlastungs-Prophylaxe, die auf den ersten Blick ganz einfach erscheint: NEIN sagen! Auf den zweiten Blick ergeben sich meist Dutzende von – teils realistischen und teils angenommenen – Gründen, warum man nicht NEIN sagen kann (zumindest nicht jetzt, nicht bei dieser Anfrage und schon gar nicht gegenüber dem Vorgesetzten). Die angenommenen Gründe (eigene Einstellungen, Sichtweisen, Annahmen, usw.) überwiegen meist und lassen sich nach und nach reduzieren. Oft wollen wir einfach nur hilfreich sein und machen uns damit das Leben schwer.

Das Nein-Sagen fängt bei mir selber an. Wer zu Anderen „ja“ sagt, sagt zu sich selber „nein“, also zu den eigenen Vorlieben, Wünschen und Prioritäten. Somit sind „ja“ und „nein“ auch immer Entscheidungen über Prioritäten. Wenn Sie somit zu Ihren eigenen Bedürfnissen bewusst „ja“ sagen (und sie sogar in Ihren Terminkalender eintragen), fällt das Nein-Sagen Anderen gegenüber schon mal leichter. Für alles Weitere folgt hier eine kleine Checkliste zum Lernen und Üben des NEIN-Sagens:
Wie kann ich guten Gewissens „Nein“ sagen?
Nein-Variante
Begründungen für das eigene (schlechte) Gewissen und evtl. gegenüber Anderen
1.     NEIN!
·         Manchmal geht es nur um diese vier Buchstaben! Wichtig ist, klar zu kommunizieren, was Sie möchten und was nicht.
·         Äußern Sie es respektvoll und höflich, dann bleibt die Beziehung trotzdem langfristig gut.
2.     Ich habe bereits so viele Aufgaben/Projekte!
·         Andere sollen ruhig wissen, dass Sie bereits Verantwortung für andere Tätigkeiten übernommen haben.
·         Sie brauchen sich nicht dafür zu entschuldigen, dass Sie Ihre Zeit anders geplant haben; niemand wird Sie dafür beschuldigen (vielleicht außer Sie sich selbst).
3.     Ich übernehme keine neue/zusätzliche Verantwortung!
·         Das heißt nur, dass Sie jetzt keine neue Verantwortung übernehmen (später vielleicht schon).
·         Ihr Kalender ist genau so sehr gefüllt, wie Sie es zur Zeit möchten.
·         Die eigenen Grenzen zu achten ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit.
4.     Ich hasse es, meine Aufmerksamkeit und Energie auf zu viele Projekte verteilen zu müssen!
·         Wenn ich eine Arbeit mache, dann will ich sie richtig machen (oder gar nicht!). Deshalb will ich für Andere gut arbeiten und mich nicht zerreißen müssen
·         Ich bin effektiver und leiste bessere Arbeit, wenn ich mich auf meine Arbeiten konzentrieren kann.
5.     Ich habe andere Verpflichtungen!
·         Welche das sind, geht niemanden etwas an!
·         Das kann sogar Zeit für mich und/oder Familie und Freunden sein.
·         Sie brauchen sich nicht zu rechtfertigen! Sie stehen einfach nicht zur Verfügung.
6.     Zur Zeit geht es nicht – aber später.
·         Falls Sie wirklich keine Zeit haben, sagen Sie es.
·         Sagen Sie, ab wann es möglicherweise wieder geht.
·         Falls die Anderen nicht warten können, werden sie eine Lösung finden.
7.     Es sind überraschend Dinge aufgetreten, die meine ganze Aufmerksamkeit erfordern.
·         „Leben ist das, was passiert, wenn Du gerade andere Pläne machst.“ (John Lennon)
·         Akzeptieren Sie, dass Sie Ihre Pläne ändern müssen.
·         Es ist meist nur vorübergehend.
8.     Ich bin nicht die/der Geeignetste für diese Aufgabe!
·         „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ ist auch heute noch ein beachtenswerter Grundsatz
·         Es ist besser, eigene Schwächen und mangelnde Kompetenzen gleich am Anfang zu nennen, um nicht später von deren Folgen überrollt zu werden.
·         Akzeptieren Sie, was Sie können (und was nicht) und stehen Sie dazu.
·         Sie sparen Zeit und Energie, wenn Sie sich auf das konzentrieren, was Sie am besten können.
9.     Damit habe ich keine Erfahrung!
·         Stehen Sie zu dem, was Sie können und was nicht!
·         Sie müssen nicht Alles lernen, schon gar nicht, wenn das wiederum viel Zeit und Energie kostet!
·         Schlagen Sie vor, jemand Erfahrenen auf dem Gebiet damit zu betrauen. Bieten Sie Hilfe beim Suchen an (siehe 10.).
10. Ich stelle eine Verbindung zu jemand her, der das besser kann!
·         Bieten Sie qualifizierten Ersatz an!
·         Verbindungen herzustellen ist auch eine Hilfe!
·         Stellen Sie aber sicher, dass Ihre Empfehlung Sie gut vertritt und nicht Ihr Ansehen schädigt!
11. Ich bin sicher, Sie schaffen das selbst sehr gut!
·         Viele Leute bitten um Hilfe, weil sie ihren eigenen Fähigkeiten zu wenig trauen.
·         Vermitteln Sie ihnen Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten.
·         Langfristig tun Sie diesen Leuten sogar einen Gefallen.
12. Ich lehne lieber etwas ab als etwas nur halbherzig zu machen!
·         Erkennen Sie rechtzeitig, wenn Sie nicht in der Lage sind, gute Ergebnisse zu erzielen.
·         Die Gründe sind dabei zweitrangig.
13. Ich würde stattdessen lieber etwas Anderes tun oder beitragen!
·         Sie helfen auch so – nur anders!
·         Lehnen Sie Dinge ab, die Sie partout nicht machen möchten.
·         Bieten Sie dafür Ersatz an, der Ihnen besser gefällt.
14. Ich muss mich zur Zeit mehr auf mein Privatleben konzentrieren.
·         Schämen Sie sich nicht dafür, sich Zeit für sich selbst und Ihre Familie zu nehmen.
·         Nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse genauso wichtig, wie sie sind und stellen Sie sie vorne an
15. Ich muss mich zur Zeit mehr auf meine berufliche Weiterentwicklung konzentrieren.
·         Das ist manchmal genauso wichtig wie das Privatleben.
·         Vielleicht verpassen Sie sonst die Chance Ihres Lebens.
·         Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt, ein paar Freizeitaktivitäten und/oder Ämter abzugeben.
16. Ich brauche mehr Zeit für mich!
·         Gesunder Egoismus ist (über-) lebenswichtig.
·         Sie sind der wichtigste Mensch in Ihrem Leben!
·         Reservieren Sie sich Zeit mit und für sich selbst und gönnen Sie sich etwas Gutes!
17. Ich mag diese Aufgabe nicht!
·         Nichts gegen Pflichtübungen, aber muss ich mir das immer wieder antun?
·         Wahrscheinlich gibt es Andere, die diese Art von Aufgaben gerne machen (im Gegensatz zu mir).
18. Ich mag den oder die nicht!
·         Es ist völlig in Ordnung, Dinge und Kontakte zu vermeiden, mit denen Sie Schwierigkeiten haben, anstatt sich sehenden Auges in diese Schwierigkeiten zu gegeben.
·         Sie respektieren Ihre Werte und auch die der Anderen, wenn Sie persönliche oder Wertekonflikte vermeiden, die aus der Übernahme dieser Aufgabe resultieren können.
 
Suchen Sie sich die Varianten heraus, die am besten zu Ihnen passen und fangen Sie an zu üben, so dass sie Ihnen bei Bedarf locker von den Lippen gehen. Und Vorsicht! Es könnte leichter gehen, als Sie denken.
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