Gewaltfreie Kommunikation


Roland Gruber –
Die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) ist ein Konzept, das von Marshall B. Rosenbergentwickelt wurde. Es soll Menschen ermöglichen, so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zwischen ihnen verbessert wird. GfK kann sowohl bei der Alltags-Kommunikation als auch bei der friedlichen Konfliktlösung im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein. Sie versteht sich nicht als Technik, die andere Menschen zu einem bestimmten Handeln bewegen soll, sondern als Grundhaltung, bei der eine wertschätzendeBeziehung im Vordergrund steht.

Zur Person

Marshall B. Rosenberg hat an der University of Wisconsin-Madison in klinischer Psychologie promoviert. Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation entstand aus Rosenbergs Auseinandersetzung mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den 60-er Jahren. Er half dabei, die Rassentrennung an Schulen und Institutionen auf friedvollem Wege rückgängig zu machen. Zu diesem Zweck gründete er das „Center for Non Violent Communication“.
1994 haben serbische Pädagogen und Psychologen – unterstützt von UNICEF – ein dreibändiges Werk zum Erlernen gewaltfreier Kommunikation nach Rosenbergs Methode für Kindergärten und Schulen entwickelt. Rosenberg hat auch ein speziell auf Kinder zugeschnittenes Konzept des Lernens der GfK entwickelt.
Das Konzept der GfK kann in vielen Bereichen verwendet werden, so etwa in Bildungseinrichtungen, Organisationen, Institutionen, privaten Beziehungen, Therapie, Beratung, Verhandlungen, Diplomatie und überall, wo Konflikte auftreten. Viele Coaching– und MediationsAgenturen bieten Fortbildungen und Seminare zur GfK an und nutzen sie zur Bearbeitung von Konflikten.
 
Leitgedanken
Empathie ist nach Rosenberg eine Grundvoraussetzung gelingender Kommunikation. Er geht davon aus, dass die Form, in der Menschen miteinander kommunizieren, einen entscheidenden Einfluss darauf hat, ob sie Empathie für ihr Gegenüber entwickeln und ihre Bedürfnisse erfüllen können. Außerdem nimmt er an, dass Menschen unter freien Bedingungen die empathische Verbindung zum Mitmenschen suchen. Die GfK soll helfen, sich ehrlich auszudrücken und empathisch zuzuhören. Sie ist auf die Bedürfnisse und Gefühle gerichtet, die hinter Handlungen und Konflikten stehen. Rosenberg nimmt an, dass jeder Mensch gern bereit ist, etwas für einen anderen Menschen zu tun, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind (z. B. die Anfrage als Bitte formuliert ist und nicht als Forderung, er nicht den Eindruck hat, dadurch eine Pflicht abzuarbeiten oder den anderen in eine Pflicht zu setzen usw.). Dieses Menschenbild geht auf die der humanistischen Psychologie entlehnte Haltung zurück, in einer schädigenden Aktion eines Individuums nicht den Ausdruck des inneren Wesens zu sehen, sondern die „fehlgeleitete“ Strategie eines eigentlich positiven Impulses. So nennt Rosenberg jede Form von Gewalt einen tragischen Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses.
Rosenberg unterscheidet zwei Arten zwischenmenschlicher Kommunikation, die gewaltfreie Kommunikation und die lebensentfremdende Kommunikation. Zur spielerischen Veranschaulichung wird in Vorträgen und Seminaren dies auch als „Giraffensprache“ und „Wolfssprache“ bezeichnet.
 
Lebensentfremdende Kommunikation (die Wolfssprache)
Unter Wolfssprache versteht Rosenberg Formen der Kommunikation, die die Verbindung zwischen Menschen blockieren und zu psychischer oder physischer Gewalt beitragen können. Der Wolf
analysiert: „Wenn du das und das beachtet hättest …“
kritisiert: „So geht es nicht, das macht man so und so …“
interpretiert: „Das machst du nur, weil …“
weiß, was mit dem anderen nicht stimmt: „Du bist klug, faul, dumm…“
bewertet, lobt, legt Maßstäbe an: „Bei uns gibt es das nicht“ – „das hast du gut/schlecht gemacht…“ das ist richtig/ falsch…“
straft bzw. droht mit Strafen: „Wenn du nicht sofort…, dann…“
achtet auf Regeln und Normen
fühlt sich im Recht
…und sucht nach Schuld: „Wenn du nicht wärst …“ , „Aber du hast ja auch…“
 
Ein Mensch, der sich „lebensentfremdender Kommunikation“ bedient, wird nicht moralisch verurteilt. Auch hinter dieser Form der Kommunikation stehen unerfüllte Bedürfnisse, die nur schwieriger wahrzunehmen sind.
 
Grundmodell der GfK (die Giraffensprache)
Die vier Schritte der GfK sind Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte
  1. Es wird die Beobachtung einer konkreten Handlung oder Unterlassung beschrieben, möglichst ohne sie mit einer Bewertung oder Interpretation zu vermischen.
  2. Es wird das Gefühl ausgedrückt, das mit der Beobachtung in Verbindung steht.
  3. Das hinter dem Gefühl liegende Bedürfnis wird formuliert. Dies ist häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar. Besonders bei negativen Gefühlen ist es für den Kontakt zum Kommunikationspartner notwendig, die dahinter liegenden eigenen Bedürfnisse zu verstehen.
  4. Es wird die Bitte um eine konkrete Handlung geäußert. Es wird zwischen Bitten und Wünschen unterschieden: Bitten beziehen sich auf Handlungen im Jetzt, Wünsche dagegen auf Ereignisse in der Zukunft. Da Empathie immer im Jetzt ist, passen dazu nur Bitten, die im Jetzt erfüllt werden können. Rosenberg schlägt vor, Bitten in einer „positiven Handlungssprache“ zu formulieren. Man kann unterscheiden zwischen einer Handlungsbitte (beispielsweise darum, die Geschirrspülmaschine auszuräumen) und einer Beziehungsbitte (beispielsweise um eine Beschreibung der eigenen Empfindungen).
Rosenberg fasst die Schritte der GfK in folgendem Satz zusammen:

„Wenn ich a sehe, dann fühle ich b, weil ich c brauche.
Deshalb möchte ich jetzt gerne d.“

 
Das formale Grundmodell muss nach Rosenberg nicht steif angewendet werden. Die GfK bedarf einer erheblichen Übung, bis sie zu einer flüssigen Kommunikation wird.
Wenn eine Problemlösung im Gespräch nicht möglich ist, sieht die GfK die Ausübung von Macht lediglich in der Form der „beschützenden Macht“ – als Gegenbegriff zur „strafenden Macht“ – als hilfreich an.
(Quellen: Wikipedia, Rosenberg 2001, überarbeitet und ergänzt von Roland Gruber)
Ein Beispiel
 
Lebensentfremdend
Gewaltfreie Kommunikation
Beobachtung
Beobachtung und Bewertung werden vermischt: „Jetzt kommen Sie schon wieder zu spät!“
Es werden konkrete Handlungen beschrieben: „Sie sind zu den letzten 3 Besprechungen jeweils 15 Minuten zu spät gekommen“
Gefühl
Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Pauschalierungen: „Ich habe keine Lust, immer auf Sie zu warten!“
Die Gefühle werden mit dem in Verbindung gebracht, was ich beobachte: „Ich ärgere mich, wenn ich so lange warten muss“
Bedürfnis
Das Bedürfnis wird nicht (klar) geäußert: "Das geht so nicht weiter!"
Eigene Bedürfnisse werden mitgeteilt: „ich möchte gerne effizient arbeiten.“
Bitte
Eine Forderung wird gestellt, bei deren Nichtbeachten Sanktionen drohen: „Wenn Sie das nächste Mal nicht pünktlich sind, wird der Termin gecancelt!“
Bitte um eine konkrete Handlung: „ich bitte Sie, den nächsten Termin genau einzuhalten.“
 
Fazit
Auch Rosenberg hat das Rad nicht neu erfunden. Viele Elemente der GfK finden sich auch in anderen Methoden wieder. Sauberes Feedback, Ich-Botschaften, das Äußern von Wünschen anstelle von Vorwürfen sind bekannte Tools. Seine starke Betonung des Bedürfnisses hinter dem negativen Gefühl führt – zumindest bei Ungeübten – schnell zu „gestelzten“ Aussagen oder wirkt sehr „sozialpädagogisch.“ Das Modell scheint mir gut geeignet für die Anwendung in der Klärung von Beziehungen, weniger für den Einsatz im Vorgesetzten-Mitarbeiter -Verhältnis und sicher nur sehr begrenzt in reinen Machtspielen.

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Leserkommentar

Hört sich nach einem guten Konzept an. Danke für diesen informativen Artikel!

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