Die vier Seiten einer Nachricht

Ein bewährtes Kommunikationsmodell mit Grenzen.

Michael Schmidt, 2013Ein echter Klassiker: das Modell der 4 Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun. Es erleichtert das Senden, Empfangen und Entschlüsseln von verbalen Botschaften eines Senders an einen Empfänger und ist daher ein sehr praktisches Modell zur Anwendung in der täglichen Kommunikation. Es lässt sich vereinfacht so darstellen:


Der Sender sendet seine Botschaft auf vier „Kanälen“ (bildlich: mit 4 Schnäbeln), und der Empfänger hat die Möglichkeit, sie auf vier Ohren zu hören.
Aus Sicht des Senders stellt sich das so dar:
Schnabel 1: Der Sachinhalt
Hier geht es um die Inhalte (Informationen, Themen, Fakten, Argumente, usw.), die der Sender vermitteln möchte. Wenn der Sender diese Inhalte möglichst klar, strukturiert und für den Empfänger verständlich formuliert, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Empfänger die Inhalte vollständig und sachlich richtig versteht.
Schnabel 2: Der Appell
Auf diesem Weg versucht der Sender, dem Empfänger zu vermitteln, was er von diesem will (was soll er tun oder unterlassen). Dies kann in Form von Bitten, Wünschen, Ratschlägen, Erwartungen, Forderungen oder gar Drohungen erfolgen. Schulz von Thun unterscheidet offene (klar und deutlich bis hin zu unmissverständlich) ausgedrückte Appelle von verdeckten Appellen (die der Empfänger erst einmal erkennen und entschlüsseln muss, weil sie nicht offen und klar ausgedrückt werden). Je nach Beziehung zwischen Sender und Empfänger sowie der kulturell bestimmten Empfangsgewohnheiten des Empfängers kann der Sender sich sehr direkt oder aber nur indirekt äußern, wenn er möchte, dass der Appell ankommt.
Schnabel 3: Der Beziehungshinweis
Hierüber gebe ich als Sender dem Empfänger zu verstehen, was ich von ihm halte (von wertschätzend über abwertend bis neutral oder gar ignorant) und wie wir zueinander stehen (zum Einen die aktuelle Nähe und Distanz aus Sicht des Senders, zum Anderen die momentane Gleichstellung oder Hierarchie; siehe Artikel Der Status). Je wertschätzender und statusklarer der Sender sich ausdrückt, umso eher wird seine Botschaft ankommen und akzeptiert werden. Auch der Beziehungshinweis kann offen oder verdeckt gegeben werden.
Schnabel 4: Die Selbstkundgabe
Willentlich oder unwillentlich gebe ich in der Kommunikation immer auch etwas von mir preis, über meine aktuelle Stimmung, meine Persönlichkeit und Werte sowie meine Gefühle. Auch dies kann offen oder verdeckt erfolgen.
Der Empfänger der Botschaft hört diese mit 4 Ohren und muss sich dabei folgende Fragen beantworten, um entsprechend darauf zu reagieren (oder auch gerade nicht):
Ohr 1: Der Sachinhalt
·         Ist das, was der Sender mir erzählt, wahr oder unwahr (oder halb-wahr)?
·         Wie relevant (wichtig) ist das gerade für mich, oder ist es irrelevant?
·         Reicht mir die Menge und Qualität der Information aus, oder brauche ich noch mehr bzw. andere Informationen?
Ohr 2: Der Appell
·         Was soll ich jetzt denken, fühlen oder machen?
·         Will ich darauf eingehen oder nicht?
Ohr 3: Der Beziehungshinweis
·         Was hält der (gerade) von mir? Akzeptiere ich das?
·         Wie stehe ich gerade zum Sender? Ist das so o. k. für mich, oder will ich das ändern?
·         Fühle ich mich respektvoll behandelt oder nicht?
Ohr 4: Die Selbstkundgabe
·         Was ist das für eine/r?
·         Wie geht es ihm gerade?
·         Wie beeinflusst das seine aktuelle Kommunikation mit mir?
Je nachdem, wie der Empfänger für sich diese Fragen beantwortet und auf welche Teile der Botschaft er reagiert, kann die Kommunikation sehr effektvoll und wertschätzend verlaufen oder auch total schiefgehen. Dafür, dass die Kommunikation gelingt, tragen beide Seiten (Sender und Empfänger) grundsätzlich die gleiche Verantwortung.
Was Schulz von Thun tendenziell zu wenig berücksichtigt ist die non-verbale Kommunikation. Das scheint auch gar nicht seine Absicht zu sein, denn „Das Modell hat zwei viel wichtigere Aufgaben: Die Aufgabe der Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung und die Aufgabe der Repertoire-Erweiterung“ (Schulz von Thun, Miteinander reden: Fragen und Antworten, Reinbek bei Hamburg 2007, S. 31). Er versteht das Modell also ganz wesentlich als Trainings-Instrument, um die eigenen Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern.
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