Unzufriedene Mitarbeiter: Wer trägt die Schuld?

Roland Gruber – Gallup hat die neuesten Zahlen aus der seit 2001 jährlich durchgeführten Befragung zum Engagement Index veröffentlicht. Das Positive: es gibt weniger innere Kündigungen als früher. Das Negative: nach wie vor leisten zwei Drittel der Mitarbeiter nur Dienst nach Vorschrift. Sind wirklich immer die Vorgesetzten schuld?

Gallup klassifiziert die Befragten in Mitarbeiter mit hoher, geringer und keiner emotionalen Bindung an das Unternehmen. 2013 weisen laut Engagement Index nur 16 % der Mitarbeiter eine hohe emotionale Bindung an das Unternehmen auf, sind also bereit, sich freiwillig für die Ziele der Firma einzusetzen. 67 % empfinden eine nur geringe emotionale Bindung, sie erledigen zwar ihren Job nach Vorschrift, mehr aber auch nicht. Weitere 17 % haben keine Bindung an das Unternehmen (immerhin der niedrigste Wert seit 10 Jahren), befinden sich also mehr oder weniger vor einem Wechsel des Arbeitsplatzes und/oder verbreiten eine schlechte Stimmung. Zusammengefasst bedeutet dies, dass 8 von 10 Mitarbeitern nicht mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit sind. Den volkswirtschaftlichen Schaden, der dadurch entsteht, beziffert Gallup-Studienleiter Marco Nink auf über 100 Milliarden Euro im Jahr.

Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschland nicht sonderlich gut ab. Nach einer Umfrage von Stepstone (Online-Jobbörse) fühlen sich die Deutschen, verglichen mit sechs anderen europäischen Ländern, an ihrem Arbeitsplatz am unglücklichsten. Kienbaum Personalberatung sieht Deutschland im weltweiten Vergleich der Arbeitszufriedenheit im unteren Mittelfeld.

Spekulieren wir ein wenig über die Gründe. Ein Schuldiger ist –fast reflexartig – schnell ausgemacht: es liegt natürlich an den Führungskräften. Mitarbeiter bekommen zu wenig Aufmerksamkeit und Anerkennung, werden nicht in Entscheidungen eingebunden, werden nicht ausreichend gefördert usw. Die Liste der Klagen ist lang. Aber ist das ganze wirklich nur eine Einbahnstraße? Mitarbeiter neigen auch gerne dazu, den Chef und das Unternehmen mit Ansprüchen zu überhäufen. Arbeit muss Spaß machen, Sinn stiften, die Persönlichkeit entwickeln und wenn ich das nicht bekomme, bin ich eben demotiviert. Aber ich bleibe in der Firma, vielleicht des Geldes wegen oder aus Bequemlichkeit, melde mich dann eben schneller mal krank (durchschnittliche Krankheitstage sind aktuell 14,7 im Jahr, der höchste Wert seit 14 Jahren). Manfred Kets de Vries, Professor an der Wirtschaftsschule Insead sieht eine Gefahr: „Vorgesetzte können eine Art emotionale Müllhalde werden für die unerfüllten Wünsche ihrer Mitarbeiter“. Viele Mitarbeiter projizieren offenbar frühkindliche Prägungen und „Anhänglichkeitsmuster“ auf ihre Chefs und reagieren dann entsprechend mit wenig erwachsenen Verhaltensmustern.

Marco Nink sieht durchaus Anlass zur Hoffnung: „Unsere aktuellen Daten deuten darauf hin, dass sich das Führungsverhalten und damit auch die Qualität des Arbeitsumfeldes verbessert haben. Die Arbeitnehmer fühlen sich mehr als Teil eines größeren Ganzen, sie können ihre Talente besser einsetzen und wissen deutlich eher, was von ihnen erwartet wird. Die Führungskräfte binden sie häufiger in Entscheidungen ein und geben ihnen das Gefühl, einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten.“

Bleiben wir also realistisch. Vielleicht ist ja auch der Vergleich der Vorgesetzten-Mitarbeiter Beziehung mit einer Partnerschaft zulässig. Der Heidelberger Paartherapeut Arnold Retzer empfiehlt, zu erkennen und anzunehmen, was man am anderen hat und nennt diesen Zustand „resignative Reife“. Er plädiert in diesem Zusammenhang auch deutlich für die Vernunftehe. Dauerverliebtheit gibt es sowohl in den Partner, als auch in den Arbeitsplatz oder den Chef eher selten.

Ausführliche Informationen zum Gallup Engagement Index 2013 erhalten Sie unter:

http://www.gallup.com/strategicconsulting/158162/gallup-engagement-index.aspx

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