Macht Macht lernfähig?

Roland Gruber – Das Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen hat in einer Studie über den Umgang mit Fehlern herausgefunden, dass Führungskräfte bei Misserfolgen stärker darüber nachdenken, was sie selbst hätten anders machen können. Mitarbeiter suchen offenbar die Schuld lieber woanders.

Macht korrumpiert, das ist eine bekannte Tatsache und häufig bringt zu viel Macht auch eher die schlechten Eigenschaften von Menschen zum Vorschein. Warum wollen wir überhaupt Macht haben? Sie erzeugt das Gefühl, die Kontrolle zu haben und beeinflusst so unser Selbstwertgefühl und unser Körpergefühl positiv. Jeder kennt das Gefühl, sich in bestimmten Situationen hilflos, machtlos oder ausgeliefert zu fühlen. Kein angenehmer Zustand. Wenn ich aber mehr Kontrolle haben will, muss ich bereit sein, dazu zu lernen.

Wir sprechen jetzt nicht über Situationen, in denen Macht einfach – auch körperlich – um der Macht Willen ausgeübt wird, sondern über alltägliche Begebenheiten, z.B. zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern.

In der Studie von Scholl und Sassenberg wurden 110 Führungskräfte und Mitarbeiter zu Unzufriedenheits-Situationen befragt. Die Vorgesetzten sollten sich an eine Situation erinnern, in der sie mit einem Mitarbeiter unzufrieden waren. Die Mitarbeiter sollten an eine Situation denken, in der ihr Vorgesetzter mit ihnen unzufrieden war.

Auf die Frage, wie sie über die damalige Situation denken, gab es doch überraschende Antworten: die Mitarbeiter neigten sehr stark dazu, das Problem dem Chef oder schwierigen Umständen zuzuschreiben, sich selbst dabei aber kaum im Blick zu haben. Die Vorgesetzten stellten sich sehr häufig Fragen wie „ich hätte vielleicht dies oder das anders machen können, dann wäre das Ergebnis  besser gewesen“.

Auch in weiteren Experimenten bestätigte sich dieser Trend. Führungskräfte und Mitarbeiter in 2-er Gruppen sollten gemeinsam Aufgaben lösen. Auch hier suchten die Vorgesetzten bei Misserfolg die Schuld eher bei sich, die Mitarbeiter machten gerne die äußeren Umstände verantwortlich.

Steffi Graf, über viele Jahre weltbeste Tennisspielerin, hat in Interviews nach verlorenen Matches fast standardmäßig folgendes geantwortet: „Ich habe heute schlecht gespielt“ und dann wahlweise „meine Vorhand war zu lang, mein Aufschlag kam nicht etc.“. Sie hat nie den Wind, den Schiedsrichter, den falsch bespannten Schläger, die lange Verletzungspause oder anderes verantwortlich gemacht. „ich werde das im Training angehen“. Sie hat die Verantwortung – und damit die Kontrolle – über die Situation bei sich behalten und konnte sie dadurch auch verändern.

Schlechte Chefs erhöhen, wenn Mitarbeiter Fehler machen, den Druck. Gute Chefs lernen dazu.

 

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