Schwieriger Kollege, unerträglicher Chef: der Narzisst

Roland Gruber – Narzissten sind die Tollsten, Besten, Schönsten, gleichzeitig egozentrisch, eigennützig, manipulierend und können nicht im Team arbeiten. Empathie ist ihnen fremd. Also beste Voraussetzungen für die Chefetage.

Das Selbstbewusstsein von Narzissten ist grenzenlos. Der österreichische Psychiatrie-Chefarzt Reinhard Haller beschreibt das Selbstbild narzisstischer Menschen folgendermaßen: “Ich, icher, am ichsten”. Doch ab wann ist man Narzisst? Reicht es, wenn man täglich  seinen Namen bei google eingibt?


Die Geschichte von Narziss

In der griechischen Mythologie wird Narziss, der schöne Sohn des Flussgottes Kephissos und der Wassernymphe Leiriope als unglaublich attraktiv und anziehend beschrieben, alle Menschen verlieben sich in ihn. Doch aus Stolz und Überheblichkeit weist er alle zurück und wird dafür mit grenzenloser Selbstliebe bestraft. Die häufigste Darstellung zeigt ihn an einer Wasserquelle sitzend und verliebt auf sein Spiegelbild schauend.


Warum Narzissten so anstrengend sind:

•    sie brauchen permanent Anerkennung und Bewunderung, stellen sich immer in den Vordergrund
•    sie sind nicht  kritikfähig, sondern verstehen auch konstruktive Kritik als Bedrohung ihrer Grandiosität
•    sie können sich nicht in andere Menschen einfühlen


Warum wir die Narzissten lieben:

•    sie sind charmant, kontaktfreudig und gerne unter Menschen.
•    sie sind unterhaltsam und witzig
•    sie sind selbstbewusst, verstecken sich nicht und treten selbstsicher auf.

Wie narzisstisch sind Sie?

•    Sie geben gerne den Ton an. Sie dominieren gerne. Sie kennen den richtigen Weg und scharen
Menschen hinter sich, die Ihnen folgen

•    Sie stehen gerne im Rampenlicht. Bewunderung und Anerkennung ist Ihnen wichtig
•    Sie zeigen keine Schwäche. Wer Gefühle zeigt läuft Gefahr, seine Überlegenheit zu verlieren.
•    Sie sprechen lieber selbst, Zuhören ist eher Zeitverschwendung. Sie haben sowieso die besten
Vorschläge und Argumente.
•    Sie umgeben sich gerne mit Menschen, die ein hohes Ansehen haben, das schmeichelt Ihrem
Selbstbild
•    Niemand kann Ihnen das Wasser reichen, Sie neigen dazu, die Leistungen Anderer abzuwerten.
•    Sie nehmen Kritik persönlich. Sie sind ja perfekt, niemand hat das Recht, Sie anzugreifen
•    Sie halten sich für attraktiv und legen großen Wert auf Ihr Äußeres.
•    Sie sind nicht an ernsthaften und dauerhaften Beziehung interessiert.  Sie wollen sich nicht auf die
Bedürfnisse eines Partners einstellen. Nähe mit anderen Menschen ist Ihnen unangenehm. Sie
neigen zur Untreue.
•    Sie wurden als Kind stark vernachlässigt oder zu sehr verwöhnt. Beides kann zu einer Störung des
Selbstbilds führen und begünstigt das Entstehen narzisstischer Tendenzen.

Je öfter Sie einer dieser Aussagen zugestimmt haben, desto größer sind Ihre narzisstischen Anteile. Sie werden vermutlich dann beruflich sehr erfolgreich sein können. Echte Freunde werden Sie aber nicht haben – was Ihnen ja sowieso egal ist.

Wenn Sie einen Kollegen oder Chef haben, auf den vieles davon zutrifft: tragen Sie es mit Fassung. Narzissten ändern sich nicht. Sie werden niemals die Ihnen zustehende Anerkennung bekommen, egal wie gut Sie sind. Nehmen Sie es nicht persönlich, es liegt nicht an Ihnen.

Es ist im Übrigen kein Zufall, dass vom Narzissten bisher nur in der männlichen Form die Rede war. Narzissmus bei Frauen äußert sich verdeckter: Schönheit, Schlankheit, Jugendlichkeit, perfekter Auftritt. Wo dies nicht gelingt, entsteht schnell ein Gefühl von Minderwertigkeit und der Hunger nach Anerkennung drückt sich nicht selten in Essattacken bis hin zur Bulimie aus.

Einer der vielleicht größten Narzissten der Menschheitsgeschichte soll das Schlusswort haben. Salvador Dalí: “Ich bin der einzige Künstler, den die Natur kopiert”.

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