Führungsstile der Zukunft

Ulrich Grannemann – Kürzlich haben wir hier auf der Leadion-Seite einen Artikel über die verschiedenen Führungsstile vorgestellt. Die Frage, die sich logischerweise sofort anschließt, ist: Welche Führungsstile werden in der Zukunft erfolgreicher sein? Wie werden sich die Führungsstile eventuell verändern? Was wird wichtiger, was unwichtiger?

Über die Mega-Trends, die auf uns zukommen, sind sich die Zukunftsforscher weitgehend einig (Horx, Vielmetter).

Trend: Diversität der Mitarbeiter

Die Migration nimmt zu. Die Lebensarbeitszeit steigt. Und die Anzahl verschiedener Ausbildungen und Ausbildungsgänge steigt. Das heißt, als Führungskräfte müssen wir uns darauf einstellen, einer zunehmenden Unterschiedlichkeit, Heterogenität unserer Mitarbeiter gerecht zu werden. Die Fähigkeit verschiedene Menschen dort abholen zu können, wo sie stehen, wird wichtiger. Jeden Einzelnen individuell zu führen und die Fähigkeit, Unterschiedlichkeit zu verstehen, wird wichtiger. Dazu gehört auch die Unterschiedlichkeit, die dadurch entsteht, dass Mitarbeiter sich schneller verändern.

Trend: Die Wirtschafts-Welt wird komplexer, komplizierter, vernetzter

Die Anzahl der Variablen und Faktoren, die berechnet werden müssen, um Entscheidungen zu treffen, nehmen enorm zu. Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Einziger in der Lage ist, schnell gute Entscheidungen zu treffen, ab. Nicht nur die kognitiv, sondern auch die intuitiv dominierten Entscheidungen brauchen mehr Input und damit mehr Zeit. Wir müssen mehr Leute fragen, mehr Perspektiven in unserer Entscheidungen mit einbauen. Die Zeit der einsamen, spontanen, genialen Heldenentscheidungen geht zu Ende. Auch in der Zukunft sind es Einzelne, die am Ende die Entscheidung treffen, aber es schließen sich viele Informationen ein.

Trend: Globalisierter Wettbewerb fördert groß und schnell

Wir können es am Erfolg des deutschen Mittelstandes erkennen. Der globale Wettbewerb fördert Unternehmen, die groß genug sind, um weltweit konkurrieren zu können, damit wir an den größten Wachstumsmärkten teilhaben und die gleichzeitig schnell und flexibel sind, damit sie auf Veränderungen in den Märkten reagieren können. Steife Stellenorganisationen sind zu langsam. Interaktive, nur auf Selbstorganisation aufgebaute Start-up Unternehmen, sind zu klein. „Stahlgerüst-Organisationen“ sind zu starr, Unternehmen wie Gräser im Wind sind nicht stabil genug. Die Zukunft gehört den "Gummiband-Organisation": Verlässliche Bindungen, die flexibel und elastisch reagieren können. Das heißt aber für uns Führungskräfte, dass viel mehr Arbeitsorganisation bei Aufgaben, Prozessen und Projekten bei uns liegt. Unsere Delegationen sind immer weniger Großserienfertigung von Aufgaben, sondern immer mehr Kleinserienfertigung. Wir müssen mehr Zeit aufwenden und Intelligenz einbringen für die Gestaltung von Aufgaben, in der Gestaltung von Kommunikationsinformationen und Entscheidungsregeln. Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen: mit welchen Regeln bekommen wir am Ende die besten Lösungen für eine bestimmte Aufgabe?

Trend: Die Organisationen werden dynamischer und komplexer.

Den neuen „Gummibandorganisationen", die Verlässlichkeit in der Qualität und gleichzeitig Flexibilität darstellen können, haben einen neuen Führungsstil zur Folge. Es wird immer weniger möglich sein, per Position und Stelle zu führen. Sondern immer mehr aus der jeweiligen Verantwortung für eine Aufgabe, einen Prozess oder ein Projekt heraus. Moderne Führung heißt, die Fähigkeit zu haben viele verschiedene Rollen einnehmen und diese Rollen eventuell sehr schnell wechseln zu können. Wir haben eine zunehmende sozialpsychologische Komplexität. Moderne Führung heißt Mitarbeiter zu Teil-Führungskräften machen. D. h. im Gegenschluss: Führungskräfte müssen in der Lage sein, Teilzeit-Mitarbeiter zu sein. Dem Zeitalter, in dem die Stelle im Fokus stand, folgt nun das Zeitalter, in dem die Aufgabe und der beste Weg, diese Aufgabe zu erfüllen, im Fokus steht.

Trend: Die Mitarbeiter werden zunehmend zu dem Unterschied, der den Unterschied macht.

Technologische Vorsprünge werden immer schneller aufgeholt. Auf Bodenschätzen kann sich die deutsche Wirtschaft nicht ausruhen. Es wird also wichtiger, die richtigen Mitarbeiter zu bekommen und sie zu halten. Wir können uns immer weniger Führungskräfte erlauben, die durch ihr Verhalten Mitarbeiter vergrätzen, abschrecken und somit aus dem Unternehmen jagen. Die Toleranz gegenüber den Scheusalen in den höheren Etagen nimmt ab.

Trend: Steigende Individualisierung und Digitalisierung

Die Zahl der Mitarbeiter, die einen persönlichen Kontakt zum Kunden und einen digitalen Kontakt zum eigenen Unternehmen haben, steigt. Das heißt, es gibt immer mehr „leere Büros“. Damit wird der Anteil der sogenannten virtuellen Führung größer. Die Digitalisierung in der Kommunikation macht es möglich. Aber wir müssen dem Mangel an direkter persönlicher Kommunikation, an Zugehörigkeitsgefühlen und Identifikation mit dem Unternehmen entgegenwirken. Der Mensch ist von Natur aus ein Rudelwesen, ein soziales Wesen. Er kann auch Einzelkämpfer sein, aber es ist nicht unsere Natur.

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