Das vermeintliche Führungsparadox: Auch harte Hunde sind erfolgreich!

Michael Schmidt – Zum einen ist es Konsens bei Trainern, Beratern, Führungskräften, Politikern, Gewerkschaftern, und in den Medien sowieso: Gute Führungskräfte behandeln ihre Mitarbeiter respektvoll, fördern und fordern sie und geben ihnen viel Unterstützung, z. B. durch Auszeiten für Familie oder Weiterbildung und vieles mehr.

Auch aktuelle Studien bestätigen, dass sich respektvolle Führung langfristig auszahlt (hier 3 davon zur Auswahl) und der akademische Nachwuchs sich davon angezogen fühlt:

http://www.ddiworld.com/glf2014#.VCAjWRaqJ20

http://www.topjob.de/presse/mitteilungen/aktuelles/2014-08-26-trendstudie-2014.html

https://www.deutschlands100.de/deutschlands-100/trendence-graduate-barometer.html

Wieso sind dann autoritäre Führer wie Theo Müller von Müller-Milch, Oliwer Samwer von Rocket Internet oder Erich Sixt von der gleichnamigen Autovermietung trotzdem erfolgreich, und zwar auch bei  der Rekrutierung von Nachwuchs- und Führungskräften? Die genannten Unternehmer zeichnen  sich neben anderen Hardlinern dadurch aus, dass die Verweildauer der Führungskräfte in diesen Unternehmen deutlich kürzer ist als in Konzernen. In diesen inhabergeführten Unternehmen herrscht häufig ein hire-and-fire, und die Führungskräfte werden  vor der Mannschaft gedemütigt bzw. ihnen werden extreme Leistungen abverlangt (Beispielzitate):

Jeff Bezos (amazon): „Sind Sie faul oder nur inkompetent?“

Bernd Freier (S.Oliver): „Arbeiten Sie überhaupt noch? Ich will Lösungen, nicht Mitteilungen!“

Oliwer Samwer (Rocket Internet): „Keine e-mails oder Statistiken am Tag. Der Tag ist dazu da, die Zahlen zu verändern. Analysieren können wir sie in der Nacht.“ (wer vor 1 Uhr nachts geht, bekommt Negativpunkte auf einer von Samwer persönlich geführten Liste).

Theo Müller (Müller-Milch): „Jeden Tag, an dem Sie nicht entlassen werden, können Sie sich als gelobt betrachten.“

Was ist – wenn überhaupt – das Führungs-Geheimnis dieser Autokraten? Bei aller Individualität der Personen lassen sich folgende Faktoren erkennen:

1.       Es scheint eine Ehre zu sein, für diese außergewöhnlichen Personen zu arbeiten. Die Autokraten schaffen es, ihren Mitarbeitern den Mythos, in einer besonderen Firma zu arbeiten, zu vermitteln. Sobald der Mythos nicht mehr zieht, gehen die Leute oder werden gefeuert.

2.       Die Autokraten leben selbst eine bedingungslose Hingabe an ihr Unternehmen vor. Alle genannten Unternehmer sind ausnahmslos zu 150 % leistungsorientiert. Akademischen Modellen, Beratern und „Sozial-Klimbim“ misstrauen sie eher. Viele von ihnen haben akademische Karrieren abgebrochen oder gar nicht erst angestrebt und sich ausschließlich über Einsatz und Leistung hochgearbeitet. Oft verachten sie sogar die Akademiker oder belächeln sie.

3.       Solche Unternehmer haben oft ein ausgeprägtes Charisma, das erst einmal wirkt (wenn auch mit rasch abnehmender „Halbblendzeit“). Zudem werden angeworbene Führungskräfte von diesen Unternehmern mit hohen Gehältern und Versprechen geködert.

4.       Gute Leute können in diesen Unternehmen rasch Karriere machen, wenn sie die Leistung bringen und leidensfähig sind. Dabei überschätzen sich viele offensichtlich (Motto: Ich kriege das hin, was die anderen nicht geschafft haben) und gehen bald wieder (nicht selten auch krank).

In Konzernen werden heute durch Compliance-Regelwerke, 360°-Feedbacks und andere Kontrollsysteme selbst die schärfsten Ecken von eigenwilligen Führungskräften auf die Dauer abgeschliffen.   Sehr leistungsorientierte Nachwuchskräfte fühlen sich dort zu sehr eingeengt und nehmen für ihre Karriere eher die Leiden eines autoritären Führungsstils in Kauf. Vielleicht ist das die Erklärung für dieses Phänomen.

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