Laufen und beruflicher Erfolg: Warum ein Zusammenhang noch keine Kausalität bedeutet

“Laufen macht erfolgreich”. Diesen kurzen, einprägsamen Satz las ich vor nicht allzu langer Zeit als Fazit in einem Artikel auf Zeit Online, der mit “Marathon laufen ist der Lieblingssport von Chefs” betitelt war. Der Artikel gibt ein Interview mit einem Lauftrainer wieder, der von folgenden Zusammehängen unter Verweis auf das Institut für Demoskopie Allensbach berichtet:

“Verdient statistisch nur jeder dritte Bundesbürger – also etwa 33 Prozent – mindestens 3.000 Euro monatlich, schneiden Läufer deutlich besser ab. Von den Gelegenheitsjoggern verdienen bereits 44,6 Prozent 3.000 Euro im Monat oder sogar mehr. Bei den Befragten, die nach eigenen Angaben mehrmals pro Woche laufen, knackt sogar fast jeder Zweite (47,4 Prozent) die 3.000-Euro-Grenze.”

Im selben Absatz wird auf einen Bericht des Tagesspiegel verlinkt, der schreibt

“Die bislang einzige Untersuchung [Daten von rund 3900 Teilnehmern am Frankfurt Marathon, Anm. d. Red.], die einen direkten Zusammenhang zwischen beruflichem Aufstieg und persönlichen Bestzeiten auf der Langstrecke belegt, zeigt, dass Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von mehr als 500 000 Euro im Vergleich zu Geringverdienern durchschnittlich 16 Minuten schneller das Ziel erreichen.”

Klang es nach dem ersten Zitat noch fast so, als könne Laufen tatsächlich erfolgreich machen, klingt das zweite Zitat ja schon beinahe so, als würde man durch Erfolg im Beruf besser laufen.

Um ein bisschen Ordnung in das Chaos zu bringen, erweisen sich die Begriffe Kausalität (Ereignis X tritt ein, weil Ereignis Y eintritt) und Korrelation (Zusammenhang zwischen Ereignis X und Y, hier gebraucht im Sinne von: Ereignis X und Ereignis Y treten ein) als äußerst hilfreich.

Um die Situation zu verdeutlichen, kann ein einfaches Modell erstellt werden. Angenommen drei Personen A,B und C sitzen gemeinsam in einem Meeting. Dabei haut Person A regelmäßig aus Wut auf den Tisch, woraufhin Personen B und C aus Protest für 5 Minuten den Raum verlassen. Das passiert mehrfach. Die Kollegen außerhalb des Meetingraums können also beobachten, dass Person B den Raum verlässt, wenn C das tut und andersherum. Die Ereignisse sind also korreliert, es gibt offensichtlich einen Zusammenhang zwischen ihnen. Daraus aber zu schließen, dass B den Raum verlässt, weil C das tut, ist im Allgemeinen falsch. Denn beide verlassen den Raum ja aus dem gleichen tieferliegenden Grund, der für Außenstehende nur zu vermuten ist. Es ist also keine Kausalität vorhanden, Person B verlässt den Raum nicht weil Person C ihn verlässt oder andersherum (jegliche evtl. vor dem Meeting abgeschlossene Loyalitätsvereinbarung soll hier außer Acht gelassen werden).

Kommen wir also auf das urspüngliche Thema zurück. Macht Laufen erfolgreich? Die Antwort ist simpel und ernüchternd: Wir können es nicht sagen. Alles was aus den hier angegebenen Daten beobachtet werden kann, ist der Zusammenhang zwischen Laufen und beruflichem Erfolg. Ob laufen erfolgeich macht oder ob aber erfolgreich sein zum Läufer macht oder aber ob es einen tieferliegenden Grund wie Ehrgeiz oder Disziplin gibt, kann schlicht und ergreifend nicht bestimmt werden.

Für alle an der Studie selbst Interessierten: Für genauere Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Laufen und beruflichem Erfolg, kann die Langzeitstudie von Michael Lechner von der Universität St. Gallen und Nazmi Sari von der University of Saskatchewan herangezogen werden. Es zeigt sich, dass der Zusammenhang nicht so einfach ist, wie in erstgenanntem Artikel dargestellt. So lässt sich zum Beispiel für die Versuchsgruppe, die zunächst keinen Sport macht und dann zu einem moderaten Sportniveau wechselt, kein statistischer Gehaltsanstieg oder eine niedrigere Arbeitslosenzahl zeigen. Das subjektive Gesundheitsempfinden sinkt außerdem für die selbe Gruppe über die Versuchsdauer. Nur für die Versuchsgruppe der Sportler, die von mittlerer Sportaktivität zu hoher Aktivität wechseln, kann ein Gehaltsanstieg erkannt werden. Was die Kausalität “Laufen macht erfolgreich” betrifft, ist allerdings auch hier Raum für weitere Untersuchungen, da Kausalität im rein logischen Sinne auch bedingen würde, dass der berufliche Erfolg sinkt, wenn die Laufaktivität verringert wird (mathematisch: Wenn gilt “Aus A folgt B” dann muss auch gelten “Aus Nicht-B folgt Nicht-A”). Bis zu weiteren erhellenden Studien kann das Motto also weiterhin heißen: “Le sport pour le sport”, “Der Sport um des Sportes willen”.

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