Ulrich Grannemann: Wir brauchen dreimal so viel Führung!

Daniel Held– Wie wichtig ist Führung im Unternehmen? Ulrich Grannemann meint: Für gesunde Arbeit müsste Führung einen größeren Stellenwert bekommen. In einem Vortrag in Köln erklärte der Diplom-Kaufmann vor einigen Monaten: Die reine Führung – also Gespräche über die Regeln der Zusammenarbeit, Arbeitszufriedenheit und Prioritäten – müsste dreimal mehr werden wie bisher: bedeutet eine Steigerung von 2-4 auf 10 %! Ziel ist dabei nicht die Verbesserung der Inhalte, sondern der Arbeitsbedingungen. Denn das „Wie“ ist für den Stressfaktor bei der Arbeit entscheidend.

Nicht nur miteinander sprechen, auch handeln!

Meine Meinung: Es darf nicht bei Gesprächen bleiben, in denen die Führungskraft dem Mitarbeiter zuhört und diesen auch versteht. Es müssen Konsequenzen folgen, wenn zum Beispiel zwischenmenschliche Konflikte bestehen. Viele Führungskräfte sind damit überfordert. Grannemann fordert deshalb: Mehr Förderung für Führungskräfte, mehr Zeit fürs Führen. Und: Führung braucht Raum, Belohnung, Aufmerksamkeit und Anreiz.

Der Titel der Veranstaltung lautete: „Gesunde Arbeit durch Paradigmenwechsel“. Für Grannemann bedeutet das: Führung muss von einer Resttätigkeit, die nur angegangen wird, wenn sonst nichts ansteht, zur wichtigsten Funktion im Unternehmen werden! Und warum ist er dieser Meinung? Laut einer Mitarbeiterumfrage (Quelle: DDI 2013) sei die Mehrheit der Mitarbeiter der Ansicht, dass sie unter guter Führung 50 % mehr leisten könnte. Außerdem werde der Führungsbedarf durch zunehmende Veränderungen auf den Märkten sowie komplexere Strukturen größer.

Menschen gehen dorthin, wo sie Aufmerksamkeit bekommen

Wie ist es bisher? Was fehlt? Führungskräfte werden in Trainings geschickt und dann allein gelassen. Grannemann empfiehlt, stattdessen erst einen Realitätscheck zu machen und zu gucken, wo Bedarf besteht und dann Trainings und Coachings einzusetzen. Nicht andersherum. Die fachliche Führung sei ausreichend, Jahresgespräche fänden auch regelmäßig statt. Doch die konsequenten Gespräche dazwischen fehlten.

Laut Grannemann mangelt es vor allem daran:

  • 96 % der Führungskräfte geben an, zu wenig Zeit für ihre Mitarbeiter zu haben.
  • Führung selbst hat ein Motivationsproblem!
  • Menschen gehen dorthin, wo sie Aufmerksamkeit bekommen.

Es brauche intensive Begleitung und Entwicklung einzelner Mitarbeiter und eine hohe Feedbackdichte – etwas, das vor allem meine Generation ganz von alleine permanent einfordert.

Zum Autor: Daniel Held, freier Online-Redakteur & Journalist aus Köln (http://www.heldentexte.de/)

 

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