“Anleitung zum Unglücklichsein”

Die "Anleitung zum Unglücklichsein" von Paul Watzlawick betrifft mehr als nur unser derzeitiges Energieniveau. Watzlawick führt uns vor Augen, wie wir uns selbst dauerhaft unglücklich machen, unseren Selbstwert und unsere Beziehungen zu anderen ins Negative ziehen. Mechanismen, die uns oft nur zu gut bekannt sind.

"Es gibt nur einen richtigen Weg – nämlich meinen!"

Ich muss der Auffassung sein, dass nur meine Ansicht die richtige sein kann. Z. T. kann dieser Versuch, sich selbst "treu zu bleiben", so weit gehen, dass man verwirft, was einem selbst in einer Situation sinnvoll erscheint.

Vier Spiele mit der Vergangenheit:

1. Man verherrlicht die Vergangenheit (früher war alles besser).
2. Durch das Festhalten an der Vergangenheit bleibt einem keine Zeit, sich mit der Gegenwart zu beschäftigen; dadurch hindert man sich selbst daran, neue, positive Erlebnisse zu machen.
3. "Jetzt ist es zu spät!" Hat man einmal seine Regel, kein Bier zu trinken, mit einem Glas Bier gebrochen, so kann man nun hemmungslos weiter trinken. Haben die Eltern mich "verdorben", kann ich nichts mehr ändern. Opfer-Mentalität.
4. "Mehr desselben": Das sture Festhalten an Lösungen oder Verhaltensweisen, die irgendwann einmal sinnvoll waren, auch wenn man damit nun Fehlschläge erleidet.

Misstrauen: Allem und Jedem!

Egal wie sich andere Menschen mir gegenüber verhalten, es kann nicht wohlwollend sein. Perfektionieren kann ich diese Methode des "Mich-Unglücklichmachens", indem ich den anderen ahnungslosen Partner mit dem letzten Glied einer langen, komplizierten Kette von Phantasien konfrontiere, in denen er eine entscheidende, negative Rolle spielt. Diese ich-bezogenen negativen Bewertungen sind immer wirksam. Z. B.: "Immer wenn ich an eine Ampel komme, ist sie rot." Ansonsten lassen sie sich auch auf Krankheitsanzeichen anwenden.

"Vermeide alles, was möglicherweise eine Gefahr oder ein Problem darstellen könnte!"

Damit trägt man zur Verewigung des Problems oder der Angst vor einer Gefahr bei. Mein Verhalten verhindert, dass ich die Erfahrung mache, Fähigkeiten zur Lösung eines Problems oder zum Bestehen einer Gefahr zu haben (die vielleicht gar keine Gefahr ist).

Selbsterfüllende Prophezeiung

Wenn ich selbst annehme, dass mir etwas Schlimmes oder Schlechtes passieren wird, passiert es mir mit größerer Wahrscheinlichkeit tatsächlich. Z. B. könnte ich annehmen, dass meine Kollegen immer über mich tuscheln und lachen. Was wird geschehen? Ich werde mich derart misstrauisch und zurückgezogen verhalten, dass ich langfristig den anderen einen Grund gebe, über mich zu reden und zu lächeln. Ähnlich verhält es sich mit Regeln und Steuersätzen: Je mehr es davon gibt oder je höher sie werden, um so größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Regeln gebrochen und die Steuern hinterzogen werden. Was ist die Folge? Noch mehr Regeln, noch höhere Steuersätze.

"Hauptsache ist, wir sind auf dem Weg"

Wer diesem Motto folgt, kann sich sicher sein, nie glücklich zu werden. Es mag stimmen, dass auf dem Weg und nicht erst am Ziel das Glück liegt. Da aber jeder mal ankommen möchte, muss der Meister im Unglücklichsein sein Ziel einfach nur unerreichbar hoch ansetzen, dann bleibt er auf dem Weg.

"Die Hölle, das sind die anderen"

Nach Gregory Bateson lassen sich in jeder Mitteilung eine Aussage über das jeweilige Objekt der Kommunikation und eine Aussage über die Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern entdecken. Diese Ebenen der Kommunikation werden oft vermischt. So z.B. in der einfachen Frage und Antwort: "Schmeckt dir meine Suppe?" Wenn dem Befragten die Suppe nicht schmeckt, er aber auch nicht den Fragenden kränken will, steckt er in einer Zwickmühle. Die Antwort könnte lauten: "Schmeckt interessant." Um nicht zu lügen und die Beziehung nicht zu gefährden. Meist läuft das schief. Geeignet zum Unglücklich werden sind auch Fragen wie: "Willst du mich zum Flughafen bringen?" "Willst du auch wirklich?"

"Sei spontan!"

Die wohl am weitesten verbreitete Paradoxie! Dazu gehören auch Aufforderungen wie "Ich will, dass du deine Arbeit mit Freude machst.", "Sei doch froh!", "Vergiss es!". Dies sind paradoxe Interventionen, die man mühelos auch mit sich selbst durchführen kann, indem man sie sich selbst sagt.

"Wer mich liebt, mit dem stimmt etwas nicht"

Eine wirksame Methode, sich selbst unglücklich zu machen, ist es, darüber nachzugrübeln, warum man von jemandem geliebt oder gemocht wird. (Man kann natürlich auch den anderen fragen, nur weiß dieser wahrscheinlich keine Antwort darauf.) Wenn man sich selbst nicht für liebenswert hält, wird man automatisch nach einem Hintergedanken oder einem Nutzen desjenigen suchen, der mich liebt. Dazu ein bemerkenswerter Satz von Groucho Marx: "Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Club beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen."

Die negative Macht des Denkens und das "Helfen"

In jeder Hilfe, die ich erhalte oder sogar selbst anderen gebe, lässt sich mit Sicherheit ein Haken oder ein Hintergedanke finden. Ist der andere wirklich so selbstlos zur Hilfe bereit oder will er nur bewundert werden? Will der Arzt überhaupt, dass die Kranken gesund werden? Ich will ja nur die Dankbarkeit der anderen erzwingen, indem ich helfe! Dieses schleichende Gift kann jede Beziehung zerstören!

"Das Leben ist ein Nullsummenspiel"

Wir versuchen im Leben immer zu gewinnen, wodurch ein anderer verliert. Die Summe ist damit gleich Null. Die andere Möglichkeit, dass beide gewinnen (oder verlieren), bleibt unberücksichtigt. Das Leben ist so ein ständiger Konkurrenzkampf. Was Nullsummenspieler dabei leicht übersehen, verbissen, wie sie in die Idee des Gewinnens und gegenseitigen Übertrumpfens sind, ist der große Gegenspieler, der (nur scheinbar) lachende Dritte, das Leben, demgegenüber beide verlieren.
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