Kreativität – Ordnung im Dschungel der Kreativitätstechniken

Überblick zu den fünf Kategorien von Kreativitätsmodellen

Mehr als 100 Kreativitätstechniken sind bisher beschrieben worden, viele unterscheiden sich nur in Details. Einer der führenden deutschen Kreativitätsforscher, Professor Horst Geschka von der TU Darmstadt, hat zur Ordnung dieser Vielfalt fünf Kategorien definiert.
Allen Techniken gemein ist, dass sie mehrere Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenbringen. Die sollen dann möglichst viele Ideen produzieren, ohne sofort kritisiert zu werden. Sie nutzen dabei sogenannte heuristische Verfahren wie Analogien und Abstraktionen, die sich in der Praxis bewährt haben. In der Regel empfiehlt es sich, mit den Assoziationstechniken zu beginnen. Erst wenn die Beteiligten mit diesen Verfahren keine befriedigende Lösung finden, sollten sie die anderen Methoden nutzen.

Freies Assoziieren

Strukturiertes Assoziieren


Typische Techniken:
Brainstorming, Brainwriting, Mindmaps

Das Brainstorming hat Alex Osborn, einer der Gründer der US-Werbeagentur BBDO, in den 30er Jahren populär gemacht. Fünf bis acht Personen versuchen innerhalb von maximal 30 Minuten möglichst viele verschiedene Ideen zu entwickeln. Im Idealfall setzt sich die Gruppe aus Laien und Experten zusammen, die hierarchisch gleichgestellt sind. Die Bewertung der Ideen erfolgt erst in einem zweiten Schritt und nicht immer durch die Teilnehmer. Eine Weiterentwicklung ist das Brainwriting, bei dem die Teilnehmer ihre Ideen auf Karten schreiben, die sie dann an ihren Sitznachbarn neben sich weitergeben. Der soll die Vorschläge fortentwickeln. Dies wird mehrmals wiederholt. Um Ideen besser zu visualisieren und miteinander in Beziehung zu setzen, hat der britische Wissenschaftsjournalist Tony Buzan die sogenannten Mindmaps entwickelt. Bei ihnen steht ein zentraler Begriff in der Mitte (etwa das Wort Kreativitätstechniken), mit dem weitere thematisch zugehörige Begriffe über Linien in einer baumartigen Struktur verknüpft sind. 


Typische Techniken:
Denkhüte, Denkstühle nach Walt Disney

Eine populäre Technik ist die vom britischen Kreativitätsexperten Edward de Bono entwickelte Methode der "Sechs Hüte des Denkens". Bei diesen Gruppendiskussionen nehmen alle Teilnehmer eine von sechs Perspektiven ein, sie setzen dazu symbolisch einen farbigen Hut auf: Der weiße Hut steht für analytisches Denken, der rote für emotionales, der schwarze für die Konzentration auf die Nachteile einer Idee, der gelbe für die Konzentration auf die Vorteile, der grüne symbolisiert kreatives Denken, der blaue den ordnenden Blick auf das Ganze. Mit der Methode werden lange Diskussionen über das Für und Wider einer Idee vermieden und dennoch alle Positionen berücksichtigt . Eine ähnliche Vorgehensweise hat der Trickfilmproduzent Walt Disney genutzt. Er stellte drei Stühle in einen Raum und verband jeden mit einer Rolle: der des Träumers, der des Realisten und der des Kritikers. Um eine Aufgabe zu lösen, hat er sich der Reihe nach auf die Stühle gesetzt und die jeweiligen Perspektiven eingenommen.
 

Konfrontation

Imagination


Typische Techniken:
Visuelle Konfrontation, Reizwortanalyse, Triz

Die Teilnehmer einer Gruppendiskussion werden mit Bildern, Begriffen oder Orten konfrontiert, die sie zu kreativen Ideen und Lösungen anregen sollen. Der österreichische Schriftsteller Arthur Koestler hat für diese Vorgehensweise auch den Begriff "Bisoziation" in Anlehnung an das Wort Assoziation geprägt. Beispielsweise betrachtet eine Gruppe fünf Fotos. Die Teilnehmer beschreiben die Phänomene und Vorgänge auf den Bildern und beschäftigen sich anschließend wieder mit der eigentlichen Aufgabenstellung. Sie sollen sich so von ihren normalen Denkweisen lösen, die Motive auf den Bildern mit dem Problem verbinden und so auf neue Einfälle kommen. Statt Fotos lassen sich auch bestimmte Reizworte einsetzen. Eine weitere Anregung können auch allgemeine (technische) Innovationsprinzipien sein, die der Russe Genrich Altschuller in seiner "Theorie des erfinderischen Problemlösens", kurz Triz, beschrieben hat. 
 


Typische Techniken:
Geleitete Fantasiereise, "Try to become the problem"

Diese Techniken sollen das bildliche Vorstellungsvermögen stärken und unbewusste Erfahrungen mit in die Lösungsfindung einbeziehen. Der Moderator einer Gruppendiskussion animiert die Teilnehmer etwa bei der Fantasiereise, in Gedanken Bilder, Erlebnisse und Geschichten aneinanderzureihen. Die Methode soll helfen, Stress abzubauen sowie Offenheit und Kreativität fördern. Bei der Technik "Try to become the problem" (Deutsch: Versuche, das Problem zu werden), sollen sich die Teilnehmer in das Problem selbst versetzen. Sie sollen sich fragen, was sie in der Problemsituation erleben. Diese intuitive Beschäftigung mit der zu lösenden Aufgabe fördert das Problemverständnis und soll zu neuen Lösungen führen.

 

Kombination


Typische Techniken: Morphologischer Kasten, Morphologische Matrix, Attribute Listing

Bei diesen Kreativitätstechniken analysieren die Teilnehmer einer Gruppe ein Problem und zerlegen es in seine Einzelteile. Für diese Komponenten suchen sie Lösungsvarianten und kombinieren diese zu einem neuen Gesamtkonzept. Die Verfahren gehen auf den Schweizer Astrophysiker Fritz Zwicky zurück. Beim Morphologischen Kasten werden alle unabhängigen Merkmale, Faktoren oder Parameter eines Problems untereinander aufgelistet und dann alle denkbaren Varianten eines Merkmals daneben geschrieben. Diese Varianten kombinieren die Teilnehmer – entweder systematisch oder intuitiv – zu neuen Lösungen, aus denen sie dann das beste Konzept auswählen. Das Verfahren liefert innovative Varianten eines meist unveränderten Grundkonzepts – und keine radikale Neuerungen.
 

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