Small Talk – ein Plädoyer für den Small Talk

Ulrich Grannemann, 2008 Smalltalk – eine typisch deutsche Schwäche?

Kein Wunder, dass es für den Begriff "Small Talk" keinen deutschen Begriff gibt. Small Talk gehört nicht zu den deutschen Tugenden und viele der Klischees, die uns Deutschen anhängen, haben mit dem Mangel an der Lust und der Fähigkeit „small zu talken” zu tun: Aggressivität, Härte, Sprödheit, Humorlosigkeit. Im Grunde erklären sich viele dieser Attribute als Schattenseite unserer Stärken wie zum Beispiel: Gewissenhaftigkeit, Gründlichkeit, Pflichtgefühl, aber auch Offenheit, Klarheit, Direktheit.

So kommt es, dass „Wir sind zum Arbeiten hier!”, „Lasst uns in Medias Res gehen” Sätze sind, die in unseren Ohren besser klingen als der völlig verkannte "Small Talk".

Einstellung zum Small Talk

Die vielen Bücher zum Thema haben noch nicht wirklich spürbar etwas verändert.

Small Talk wird entweder immer noch als ein Synonym für Oberflächlichkeit, an dem sich schon fast der Dampfplauderer und Scharlatan verrät, angesehen oder es wird als Pflichtübung, als „Kleines Gespräch” voran gesetzt.

Erfolg = Hard Skills x Soft Skills

Häufig werden die Hard Skills als das Maß der Dinge gesehen. Fakten, die Wahrheit, die Richtigkeit der Welt muss doch ausreichen. Soft Skills können dann als Plus aufgesetzt werden. Erfolg gleich Hard Skills plus Soft Skills ist aber eher nicht die
richtige Formel. Es handelt sich vielmehr um eine Multiplikation als um
eine Addition, denn fehlt ein „Skill” wird bei der Gleichung mit hoher Wahrscheinlichkeit Null herauskommen.

Eine nicht wissenschaftlich abgesicherte Wahrnehmung aus meiner Arbeit mit Klienten bestätigt dies. So zeigt sich, dass je mehr die Person davon überzeugt ist, Recht zu haben (Fakten, Hard Skills), umso schneller beklagt sie sich darüber sich nicht durchsetzen zu können (Beziehung, Soft Skills).

Die Geschmeidigkeit, mit der ich mich sich in eine Beziehung "hineinkommuniziere", ist sicher eine der größten Disziplinen sozialer Intelligenz. Wie bei vielen Soft Skills, ist es weniger die Ebene der Verhaltensrezepte, die den Durchbruch bringen, sondern eher eine Frage von Small Talk:

  • Nutzen und Wiederholen Sie den Namen
  • Suchen Sie Dinge, die Sie gut finden und zu ehrlichen Komplimenten nutzen können
  • Vermeiden Sie konflikthaltige Themen, wie Politik, Weltanschauung und Sport
  • mittlere Small Talk – Zeit: 5 bis 10 Minuten
  • Themenwechsel zur Sache nur durch Chef oder Gastgeber

Small Talk ist eine Frage des Bewusstseins:

Der erste Schritt – Einstellung:

Legen Sie den Fokus auf den Mensch. Ihn interessant finden, eine innere Verneigung vor dem Menschen an sich, bevor er in Ihren Augen nur noch zum Träger einer Kompetenz, Information oder Entscheidung wird. Es ist nicht Manipulation, nicht postmoderne Notwendigkeit aus dem Mund der Kommunikationstrainer, oder schlicht Produktivitätsverlust, sondern einfach Respekt und Höflichkeit.

Der zweite Schritt – Aufmerksamkeit

Legen Sie beim nächsten Treffen Ihr Augenmerk etwas mehr den persönlichen Teil des Gesprächspartners: Wie geht es ihm? Was interessiert ihn? Dann bemerken Sie vielleicht auch die kleinen Angebote, die Ihr Gegenüber im Gespräch macht. Machen Sie selbst auch kleine Angebote, die nicht aufdringlich, nicht anmaßend sind, sondern Sätze, auf die man leicht und angenehm reagieren kann.

Der dritte Schritt – Reaktion der Körper:

Diese leichte, angenehme kognitive Nahrung gibt übrigens unserem Körper Zeit, das biologische Symptom guter Kommunikation zu entwickeln: Das unbewusste gegenseitige aufeinander einstellen von Takt, Frequenz, „Wellenlänge” und Muskelspannung.

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