Barack Obama und Martin Luther King: Zwei unterschiedliche Beispiele für Motivation

Ulrich Grannemann, 2008 – Wenn Menschen versuchen Anhänger für ihre Idee zu finden, dann spielt die Motivation mit der die Menschen dieser Idee, und damit letztendlich einer Leitfigur, folgen, eine ungleich größere Rolle als normalerweise. Trotzdem kann man auch als Führungskraft, die einen Auftrag und dazugehörende Mitarbeiter hat, eine Menge lernen, wenn man sich einmal berühmte Beispiele genauer ansieht.

 
  

Motivation: Vorwärts-Energie oder Arbeits-Zufriedenheit

Im Deutschen verbinden wir mit dem Begriff Motivation zwei verschieden Dinge. Zum einen verstehen wir unter Motivation die allgemeine Arbeitszufriedenheit, die wir zum Beispiel durch die Frage „Wie steht es um die Motivation unserer Mitarbeiter?“ zu erfassen versuchen. Zum anderen verstehen wir unter Motivation die Energie, die wir aufbringen, um etwas ganz Bestimmtes zu tun.

 
Motivation als Formel:  M = W x W
 
Anhand zweier berühmter Reden kann man exemplarisch aufzeigen, wie Energie-Motivation oder auch „Vorwärts-Motivation“ funktioniert. Aus den wichtigsten Motivationstheorien, die Erwartungs-Valenz-Theorie von Victor Harold Vroom (siehe Wikipedia.org) und die  Anreiz-Beitrags-Theorie von Herbert Simon (siehe Wikipedia.org) lässt sich die folgende eine einfache Formel ableiten:
 
 
 Was bedeutet diese Formel? Sie besagt, dass Motivation immer dann Null ist, wenn es entweder nichts zu gewinnen gibt (W =0) oder die geschätzte Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen / Erreichen gleich Null (W = 0) ist.
 
Ein Beispiel für die Gültigkeit der Formel ist das Sprichwort „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“. Wir haben in diesem Fall zwar einen hohen Wert (Taube), aber auch eine geringe Wahrscheinlichkeit (auf dem Dach) unser Ziel zu erreichen. Die Motivation reicht nicht aus und wir wenden uns einem kleineren Wert (Spatz) mit hoher Wahrscheinlichkeit (in der Hand) zu.
 
 
Wie kann ich die Motivationsenergie beeinflussen?
 
Ich kann die Motivationsenergie zum einen erhöhen, indem ich den Wert (W) erhöhe. Genau dies hat Martin Luther King in seiner berühmten Rede gemacht, die er anlässlich der großen Protestkundgebung March on Washington for Jobs and Freedom, am 28. August 1963 in Washington D.C. vor dem Lincoln Memorial, hielt. Damals nahmen mehr als 250.000 Menschen an der Kundgebung teilnahmen. Jedes Bild, jede Vorstellung, die er vom zukünftigen Zusammenleben von Farbigen und Weißen aufzeigt, leitet er mit den Worten „I have a dream“ ein (siehe Wikipedia.org und YouTube.com). Dabei malte er Bilder einer attraktiven Zukunft, er erhöhte den Wert dessen, was es zu erreichen gibt!
 
Auch der Spruch von Antoine de Saint-Exupéry „Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“.
 
Barack Obama hingegen ist ein Motivations-Meister in der Erhöhung der subjektiven Wahrscheinlichkeit (W). Er geht in seiner Rede vom 4.11.2008 in die Geschichte und begleitet das Leben der 106 Jahre alten Ann Nixon Cooper, beschreibt die einzelnen Meilensteine in der Verbesserung des Zusammenlebens von Farbigen und Weißen und schließt jeden Schritt ab mit den Worten: „Yes, we can!“. (siehe YouTube.com). Er erhöht damit die subjektive Wahrscheinlichkeit, die Werte zu erreichen (auch wenn Skeptiker meinen, dass es noch gar nicht so klar wäre, welche Werte das denn genau sind).
 
Das Charisma, das ihm zugesprochen wird, kommt im Kern von Obamas eigener Gewissheit, dass wir können. Diese innere Gewissheit und Zuversicht, die sich in seiner Körperbewegung, Mimik und Stimme äußert, überträgt sich auf die Zuhörer. Dieses Phänomen kennen wir aus jeder Kommunikation. Besteht ein enger Kontakt (Rapport), entsteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass man auch die Gefühle des anderen teilt (Empathie), das kann auch Trauer oder Hilflosigkeit sein. Bei Barack Obama ist es Zuversicht, die sich überträgt!
 
Stellen Sie sich vor, Sie halten eine Rede vor Ihren Mitarbeitern! Wir sind nicht King oder Obama. Und viel von der Wirkung entsteht durch die Bühne, die Musik und der regelmäßige Jubel der Zuhörer. Aber die Regeln gelten doch: Was wollen Sie mit Ihren Mitarbeitern erreichen? Welches sind Ihre „Träume“ und was wollen Sie erreichen? Und was haben Sie bisher schon alles geschafft, das Ihnen Zuversicht gibt, auch das zu schaffen? „Feiern“ Sie jeden erfolgreichen Meilenstein. Machen Sie sich diese Erfolge bewusst. Vielleicht werden Sie nicht gleich die Welt verändern, aber in Ihrem Bereich eine Welt zu erschaffen, der man angehören möchte, das können Sie!
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