Ärger über Mitarbeiter

Ulrich Grannemann – Eine der größten Anmaßungen von uns Führungskräften ist die Erwartung, dass die inneren Bilder und Vorstellungen, die wir bezüglich Abläufen und Ergebnissen haben, auch die sind, die die Wirklichkeit, in diesem Falle unsere Mitarbeiter, zu liefern haben. 

Ich würde jede Wette eingehen, dass bezüglich der Leistungen und Verhaltensweisen von Mitarbeitern folgende interne Dialoge die vorderen Plätze einnehmen:  
 
„Red´ ich denn chinesisch?“
„Wie oft habe ich es ihr/ihm das schon gesagt?“
„Womit habe ich nur diese Mitarbeiter verdient?“
 
 
Wir haben geplant, vorbereitet, verhandelt, waren Helden als Führungskräfte und haben dann Aufgaben delegiert mit der festen Erwartung, was Ablauf und Ergebnis angeht. Und was passiert? Es läuft mal wieder nicht so wie ich erwartet habe.  

Folgende Formel gilt dann:
 
Erwartung ungleich Ergebnis = gleich heiliger, gerechter Zorn und Ärger.
 
 
Daher kommen die eindeutigen und hoch emotionalen Reaktionen auf Erwartungsdifferenzen. Die Stärke unserer emotionalen Intelligenz ist ihre Schnelligkeit, Eindeutigkeit und Entscheidungsfähigkeit. Die Eindeutigkeit kennt aber auch nur das digitale 0/1, erfüllt/nicht erfüllt, gut/schlecht.
 
Ergebnis entspricht innerem Bild/Erwartung nicht!
 
Ergebnis entspricht innerem Bild/Erwartung
1
0
 
Es gilt 0 oder 1, entweder erfüllt oder nicht erfüllt. Dieses Muster ist umso deutlicher, je klarer die Vorstellungen, je komplexer die Kommunikationsnotwendigkeiten, je perfekter meine Ansprüche, je höher mein Kontrollwunsch.
 
Normal ist aber die Abweichung, nicht die Entsprechung von Vorstellung und Ergebnis. Die Anmaßung kommt dem Grundsatz gleich: Ein guter Mitarbeiter kann Gedanken lesen und kennt meine inneren Bilder mindestens so gut wie ich.
 
Die Frage ist also nicht erfüllt oder nicht erfüllt, sondern wie weit ist das Ergebnis und Verhalten von meiner Erwartung entfernt? 

Erweitern Sie das Blickfeld und schauen Sie, wie weit der Weg ist. Und der Weg kann sehr weit weg sein. Sind Sie bereit zu investieren und die Reise zu starten? Oder ist der Mitarbeiter zu weit entfernt? Dann ist zu prüfen, ob die Fähigkeiten und Talente wirklich zur Aufgabe passen oder ob ich meine Erwartungen anpassen muss.  

 

 

Treffen Sie eine Entscheidung. Entweder starten Sie die Entwicklung oder leiten Sie eine faire Trennung ein, aber hören Sie auf über Ihre Mitarbeiter zu schimpfen oder sogar über das Unternehmen zu jammern.

 

Hoffen Sie nicht, dass Ihr Mitarbeiter sich von allein einfach so verändert. Erwarten Sie kein Gedanken-Lesen ("Wenn er ein guter Mitarbeiter wäre, wüsste er ja, dass….").

 

 

Nicht nur Mitarbeiter können weit von der eigenen Erwartung entfernt sein. Auch Projekte, Aufgaben und Ergebnisse können es.

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