Angst: Umgang mit einem wichtigen Gefühl







Ulrich Grannemann – Ohne Angst würde es uns nicht geben. Wir wären ausgestorben. Angst ist der Gegenpol, der Antagonist zum Risiko. Angst verhindert lebensgefährdende Handlungen.

 

Als sich die Angst „erfand“, konnte sie nicht wissen, wie groß das Maß an notwendiger Sicherheit einmal sein würde. So greift Angst auch da, wo es gar nicht mehr um Lebensgefährdung geht. So wird auch der mögliche Verlust von Eigentum und Besitz, der Verlust von Arbeitsplatz und Privilegien, nicht selten mit der gleichen emotionalen Reaktion belegt, wie die Lebensbedrohung. Diese Erkenntnis hilft uns jedoch in einer Krisensituation zunächst nicht. Und da die Bedrohung abstrakt ist, geht diese Emotion leicht über die Mechanismen der Verdrängung und Verleugnung in eine diffuse Kraft über und führt so zu einer inneren Unruhe.

 


Zwei Fehler im Umgang mit der Angst

 

Es gibt im Umgang mit der Angst vor allem zwei Fehler:

  1. Angst vor den falschen Dingen und
  2. Angst, die diffus und gegenstandlos wird.

 

(Pathologische Formen der Angst benötigen psychiatrische Therapien.)

 


1. Wovor sollten wir Angst haben und wovor nicht?

 

Unsere moderne Hirnstruktur spielt uns hier und da einen Streich. Da macht sich eine Führungskraft große Sorgen um seinen Arbeitsplatz während er mit 200 km/h über die Autobahn rast. Oder wir sparen an der Federkern-Matratze (auf der unser Körper den größten Teil seines gesunden oder ungesunden Lebens verbringt) um beim Klamotten-Einkaufsbummel „mal richtig zuzuschlagen“.

 

Gerade eine Krise zwingt uns -mehr als sonst – zu fragen, was wir bereit sind aufzugeben, loszulassen. Worauf können wir zuerst verzichten, in welcher Reihenfolge? Wenn Sie gezwungen wären Besitzstände aufzugeben, womit würden Sie beginnen?  Was ist unter Umständen sogar Ballast?

 

Hier ein kleiner Selbsttest: Kreuzen Sie an…

 

A: unbedingt behalten – B: eher behalten – C: eher loslassen – D: unbedingt Loslassen

 


Hoffnung (A,B,C,D)

Ihr Leben (A,B,C,D)

Auto (A,B,C,D)

Haus (A,B,C,D)

Wohnung (A,B,C,D),

Arbeitsplatz,

Aufträge (A,B,C,D),

Fähigkeit zu Denken (A,B,C,D),

Fähigkeit sich auszutauschen (A,B,C,D),

Fähigkeit zu lieben (A,B,C,D),

Beziehungen zu den engsten Menschen (A,B,C,D),

Beziehungen zu Bekannten (A,B,C,D),

Beziehung zu Freunden,

Beziehung zu Nachbarn (A,B,C,D),

Beziehung zu den Kolleginnen, Kollegen (A,B,C,D),

Ihre Hobbies (A,B,C,D),

Ideen haben (A,B,C,D),

sich mitteilen können (A,B,C,D),

Laufen/Gehen können (A,B,C,D)

(Weitere Ergänzungen bzw. Differenzierungen sind notwendig)

 

 

 

Wenn Sie die A-Punkte mit den D-Punkten vergleichen, haben Sie vor den richten Dingen Angst?

Und: Wie viel Zeit verbringen Sie für die A-Gruppe im Vergleich zur D-Gruppe? Ist Ihr Einsatz von Zeit und Energie richtig verteilt?

 

Nicht wenigen gelingt es im Bemühen für D-Punkte (Karriere, Statussymbole …) A-Punkte (Beziehungen, Ehe, Gesundheit …) aufs Spiel zu setzen oder gar zu zerstören.

 

 

2. Diffusion der Ängste verhindern

 

„Nebel und Dunkelheit gebären Gespenster und böse Geister“ sagte schon Goja.

Dagegen hilft nur Licht und Klarheit. Auch wenn wir das fürchten, was wir dann zu sehen bekommen könnten.

Tim Collins beschreibt in „Der Weg zu den Besten“, dass die Erfolgreichen das Beste erwarten, aber mit dem Schlimmsten rechnen und darauf vorbereitet sind (Siehe „Sorgen machen, aber richtig“). 

 

Bewerten Sie die Situation ganz nüchtern, wenn Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren, Einkommen verlieren, Ihre Wohnung kleiner wird usw. Angenehm ist das sicher nicht. Aber was behalten Sie von dem, was wirklich wichtig ist? Und –und das ist ein häufiger Nebeneffekt diese Übung – Sie merken vielleicht, wie dankbar Sie sein können, das alles zu haben, was Sie haben. Genießen Sie Ihren Besitz, aber lassen Sie sich von Ihrem Besitz nicht besetzen.

 

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