Kurzszenario – Ein Führungsinstrument hält die Veränderungsflexibilität der Mitarbeiter fit.

Ulrich Grannemann – Die Veränderungsgeschwindigkeit in Unternehmen nimmt nicht ab. Eine Reorganisation jagt die nächste, eine neue Aufgabe folgt der nächsten und ein neues Projekt kommt auch bestimmt. Kein Wunder also, dass die Veränderungsfähigkeit der Mitarbeiter nicht selten zum alles entscheidenden Faktor für das Gelingen oder Scheitern von Aufgaben, Veränderungsprojekten, ja ganzer Unternehmen wird. 

Was können wir tun, um genau diese Veränderungsfähigkeit oder Elastizität bei unseren Mitarbeiter zu schaffen bzw. zu erhöhen? 

Eine Möglichkeit ist das Kurzzeitszenario. Mit diesem  Instrumenteskann man gemeinsam  mit den Mitarbeitern in die Zukunft schauen, Realitätsbezug herstellen, wieder aktiv und handlungsfähig werden, für die Zukunft motivieren und vor allem weder dem „Es wird noch schlimmer“ noch dem  „Es wird schon nichts passieren“ zu verfallen.

 
Beschreibung Kurzszenario

 
Eckpunkte des Formates
 
 
4 bis 10 Teilnehmer
1 bis 2 Stunden
Pinnwand
 
Rahmensetzung, Begründungs-zusammenhang
 
„Wir haben schon das eine oder andere Gespräch zur jetzigen Situation geführt. Viele von Ihnen machen sich Gedanken um Ihre und unsere Zukunft. Um vielleicht etwas klarer in die Zukunft sehen zu können, möchte ich mit Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten und deren Wahrscheinlichkeiten sammeln, um mit der gestiegenen Ungewissheit besser umgehen zu können.“
 
 
Einführende Gedanken
 
„Vorhersagen sind immer schwierig, vor allem, wenn es sich um die Zukunft handelt“. „Wer Szenarien macht ist blöd, denn keiner kann sagen, was kommt.Wer aber keine Szenarien macht, ist dumm! Denn der ist auf nichts vorbereitet“ (Dr. Brunn).
 
Szenario-Trichter
 
Die meines Erachtens beste Form verschiedene Zukunftsentwürfe darzustellen und nach Best Case/ Worst Case und nach der Zeitachse zu ordnen und zu visualisieren, ist der Szenario-Trichter.
 
 (Zeichnung, Quelle: Wikipedia, Szenariotechnik)
 
Dieser Trichter hat sich durch die Krise geweitet, ist breiter geworden. Das mittlere, das subjektiv wahrscheinlichste Szenario ist bei vielen negativer geworden.
 
 
Arbeitsfrage 1
 
Einflussfaktoren auf die Arbeit der Gruppe/Abteilung
 
Es hat sich als gut investierte Zeit erwiesen, dass man nach der Vorstellung der Grundidee zunächst mit der Frage beginnt, welche Faktoren die Arbeit der Abteilung beeinflussen. Pragmatisch ist die Sammlung der Faktoren auf Zuruf aus der Gruppe als Mindmap auf einem Flipchart zu schreiben. Diese „Aufwärmfrage“ führt gut in das Thema und die Breite der Einflüsse ein.
 
 
Arbeitsfrage 2
 
Die Kern-Arbeitsfrage ist:
 
„Worauf müssen wir uns einstellen? Womit müssen wir rechnen …
 
a. im schlimmsten Fall,
b. im wahrscheinlichsten Fall und
c. im besten Fall?“
 
Eine einfache Möglichkeit ist, die Mitarbeiter zu bitten, Stichworte auf drei Moderationskarten oder Zettel zu den drei Fällen schreiben zu lassen.
 
Ein Szenario-Trichter wird z. B. auf eine Pinnwand gezeichnet. Dadurch hat man die Möglichkeit, die jeweiligen Karten im Koordinatensystem Zeitachse und positiv/negativ vorzustellen und zuzuordnen.
 
Das Ergebnis sind Moderationskarten, die sich über den Szenario-Trichter verteilen:
 
 
 
 Die Karten stellen sicher, dass alle zu Wort kommen und dass die Einschätzung schwarz auf weiß visualisiert und versachlicht wird.
 
Ziel ist nicht, Lösungen zu finden oder einen Maßnahmenplan zu entwickeln, sondern die verschiedenen Sichtweisen auszutauschen, zu relativieren und zu rationalisieren. Es entsteht eine Diskussion zwischen Optimisten und Pessimisten, zwischen den Schwarzsehern und den Beschwichtigern.
 
Die schlimmste Wirkung entfalten Ängste, wenn sie diffus und nebulös bleiben und somit unbewusst wirken. Die so genannte GAU-Fantasie verliert ihren Schrecken, wenn sie ans Licht muss.
 
 
 
Arbeitsfrage 3  Maßnahmen-planung
 
 
 
Ist das Szenario erarbeitet bietet sich – nach einer kleinen Pause – die nächste Frage an:
Wenn das die Szenarien sind, mit denen wir rechnen müssen, was sind dann die besten Maßnahmen, uns auf diese Zukunft vorzubereiten.
 
Auch hier ist der einfachste Weg, eine bis drei Karten für mögliche Maßnahmen schreiben zu lassen und diese auf einer zweiten Pinnwand zu sammeln und –wichtig – zu clustern.
 
In der Regel ergeben sich drei bis fünf Maßnahmengruppen, die den Mitarbeitern Ihrer Abteilung strategische Orientierung und Priorisierung gibt.
 
Eine mögliche Abschlussfrage an jeden ist, welches der skizzierten Szenarien die Wahrscheinlichste ist. Oder ob es etwas tun zu gibt, um (noch) besser vorbereitet zu sein.
 
 

Das Kurzszenario ist ein Führungsinstrument, das die Veränderungsflexibilität Ihres Teams fit hält und erhöht. Es ist nicht nur wichtig in Krisen und Zeiten von Unsicherheit, sondern gehört für mich in das Standardrepertoire von Führungskräften.
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