Bewerbungsgespräch: Geschichtenerzähler gewinnen

Roland Gruber- Sie haben mehrere Bewerbungsgespräche geführt. Welche KandidatInnen sind Ihnen in Erinnerung geblieben? Mit hoher Wahrscheinlichkeit diejenigen, deren Vorstellung bei ihnen starke Bilder erzeugt hat. Diese Bilder werden nicht durch die Präsentation von Fakten, sondern durch Geschichten und Erzählungen erzeugt.

„Gute Geschichtenerzähler gewinnen Bewerbungen. Immer!“ behauptet Conrad Pramböck, Gehaltsexperte bei Pedersen & Partners.

Praktisch alle Merktechniken funktionieren ähnlich. Man verknüpft die Dinge, die man sich merken will mit inneren Bildern. So platziert man z.B. auf dem Weg zur Arbeit an bestimmten markanten Stellen eine bildliche Vorstellung von dem, an das man sich erinnern will.

Genau so funktionieren Bewerbungsgespräche. Ihr Gesprächspartner braucht nur 2 – 3 aussagekräftige Vorstellungen, um sich an Sie zu erinnern.

 

Welches sind die Schlüsselkompetenzen, die gesucht werden?

Sie wissen aus der Stellenanzeige oder aus anderen Quellen, welches Anforderungsprofil die Stelle hat. Welches sind die wichtigsten Eigenschaften, die gesucht werden? Teamfähigkeit, Flexibilität, strategisches Denken, innovativ sein, Mitarbeiter motivieren können…

Sie brauchen nun in der Vorbereitung auf das Gespräch ein wenig Zeit, sich aus Ihren bisherigen Tätigkeiten die Situationen heran zu holen, die beispielhaft für diese Eigenschaften stehen. Es macht wenig Sinn, diese komplett zu erfinden (die vergisst man zu leicht wieder), aber wirklich Erlebtes etwas auszuschmücken ist natürlich erlaubt.

 

„Sind Sie flexibel?“

„Wie sie an meinem Lebenslauf sehen können, waren meine bisherigen Tätigkeiten immer durch eine hohe Flexibilität gekennzeichnet“. Keine schlechte Antwort, aber im Gedächtnis des Gesprächspartners wird sie nicht hängen bleiben. Diese sogenannten reflektorischen Antworten sind gut geeignet, um auf die Fakten hin zu weisen.

Das Wichtigste kommt jetzt. Der episodische Teil der Antwort, der die Fakten untermauert:  „bei der Tätigkeit x war es fast normal, dass ich schnell auf y reagieren konnte. Ich denke da z.B. an eine Situation…“ und jetzt schildern Sie eine Minute lang und möglichst plastisch, was damals passiert ist. Und wenn Sie noch ein zweites Beispiel, vielleicht aus einem anderen Arbeitsfeld haben, her damit. Aber behalten Sie dabei Ihre Gesprächspartner im Blick. Wenn die Episoden zu lange werden oder zu ähnlich sind, werden Sie Unkonzentriertheiten feststellen.

 

Gute Vorbereitung ist alles

Sie haben ihre Geschichten gefunden. Prima. Wenn irgend möglich testen Sie diese Erzählungen mit einer Person Ihres Vertrauens. Was kommt beim Gegenüber an? Welcher Teil ist missverständlich? Wovon sollte ich mehr, wovon weniger reden? Ist die Geschichte zu lang, zu kurz? Belegt sie gut, was ich damit aussagen will?

 

Das Massachussetts Institute of Technology (MIT) empfiehlt für episodische Antworten die STAR-Methode.

·         Situation: Welche Situation haben Sie vorgefunden?

·         Task: Was war Ihre Aufgabe?

·         Action: Was haben Sie konkret getan?

·         Result: Welches Ergebnis haben Sie erzielt?

 

Emotionen

Auch Ihre Gefühle haben einen Platz in der Geschichte: „Ich war anfangs natürlich etwas unsicher, ob das die richtige Maßnahme sein würde, aber…“

„es war ein tolles Gefühl für uns als Team, das so gut hinbekommen zu haben“

Was habe ich daraus gelernt?

Welche Erkenntnisse hat diese Erfahrung für sie gebracht? „… und da war mir deutlich, dass es sich lohnt, den Mut zu haben, Dinge offensiv anzugehen“

Ich möchte an dieser Stelle bewusst darauf verzichten, weitere Beispiele für gute Episoden aufzulisten. Ihre eigenen Geschichten sind besser.

 

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