Work-Life-Blending, die neue Work-Life-Balance?

Frau steht auf HolzbrckeWork-Life-Balance – das hat bei vielen Menschen und Unternehmen nicht so richtig funktioniert, auch weil darin ein Gegensatz zwischen Arbeiten und Leben unterstellt wird, den es so nicht gibt. Deshalb ist das Konzept des Work-Life-Blending (also der fließenden und individuell planbaren Arbeitszeiten und Übergänge) deutlich attraktiver. Klappt das denn auch? Wahrscheinlich ist es noch zu früh, das zu bewerten, aber erste Trends lassen sich schon ausmachen:

  • In einigen Unternehmen klappt das schon ganz gut, gerade dort, wo Mitarbeiter ihre Arbeit weitgehend selbstbestimmt gestalten und auf Grund mobilen Zugriffs auf ihre Daten prinzipiell überall arbeiten können.
  • Das passt gut zu Work 4.0, agil, mobil und selbstbestimmt.
  • Es spart den Unternehmen auch einiges an Kosten für Bürogebäude und –einrichtungen.
  • Es wirkt hip (arbeiten wie bei google und Co.) und kann die Attraktivität des Arbeitgebers steigern.

Soweit doch alles gut, oder?

Wie alles hat auch dieses Konzept seine Risiken und Nebenwirkungen (denn die Arbeit muss ja nun mal dennoch termingerecht und in der erwarteten Qualität abgeliefert werden):

  • Gerade jüngere Arbeitnehmer wünschen sich mehr Gestaltungsspielraum in Bezug auf Arbeitszeit und –ort, sind aber tendenziell dadurch besonders gestresst. Sie haben nämlich oft noch nicht genügend Erfahrung bei der Einschätzung des Zeit- und Energiebedarfs für die Aufgaben und geraten dadurch in Zeitverzug.
  • Viele Führungskräfte müssen sich erst daran gewöhnen, dass sie nicht mehr alles im Griff haben und fordern daher detaillierte Berichte über den Stand der Aufgabenerledigung (→ Zusatzaufwand für die Arbeitnehmer).
  • Unternehmen müssen mit mehreren Arbeitszeitmodellen hantieren (bei Bosch sind es z. B. mehr als hundert).
  • Die größte Gefahr ist jedoch die der Selbstausbeutung: Dadurch, dass die Arbeitnehmer zunehmend die alleinige Verantwortung für die Aufgabenerledigung übernehmen, geraten sie zunehmend unter Druck. Nicht mehr der Chef macht den Druck, sondern ich mir selber! Der Trend in der Arbeitswelt geht eindeutig zu mehr Entgrenzung und Subjektivierung.

Daher überstrahlt der schöne Schein des Work-Life-Blending (obwohl es Unternehmen gibt, die das gut handhaben) oft die negativen Folgen dieser Entgrenzung:

  • Im vergangenen Jahr leisteten die Deutschen 1,8 Milliarden Überstunden, davon fast eine Milliarde unbezahlt.
  • 86 % der Deutschen klagen über Stress im Job.
  • Von mehr als 40 % der deutschen Arbeitnehmer wird laut einer Untersuchung von Randstad erwartet, dass sie auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar sind.
  • Fast ¾ der Deutschen befürchten, durch zunehmendes Work-Life-Blending nicht mehr richtig abschalten zu können. Diese Befürchtung ist laut Stressforscher Mazda Adli von der Berliner Charité begründet: „Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist ein Hauptgrund für diese Entwicklung. Der Mensch ist genetisch auf feste Arbeits- und Ruhezeiten gepolt, der Blending-Modus ist von der Natur nicht vorgesehen.“

Viele Unternehme reagieren darauf mit erlaubten „Nichterreichbarkeitszeiten“, Serverabschaltungen zu bestimmten Zeiten, Trainingsprogrammen und vielem mehr. Den entscheidenden Beitrag muss jedoch jeder selbst leisten.

Generell gilt (und das ziemlich zeitlos und unabhängig vom Arbeitszeitmodell):

  • Seien Sie ganz bei dem, was Sie machen (entweder Familie oder Beruf oder Sport).
  • Klären Sie Ziele, Zeiträume und Erwartungen genau, bevor Sie die Erledigung einer Aufgabe zusagen.
  • Sagen Sie Nein oder fragen Sie nach, wenn Sie den Eindruck haben, Erwartungen nicht erfüllen zu können.
  • Planen Sie sich bewusst analoge (sprich offline!) Pausen ein und gönnen Sie sich diese auch!
  • Schaffen sie sich Alltagsroutinen (z. B. vor dem Einschlafen), die sie auf jeden Fall einhalten. Diese Rituale holen sie immer wieder herunter und ins hier und jetzt.

Ich wünsche Ihnen sowohl erfülltes work als auch frohes life und erfolgreiches blending hin und her!

 

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Posted in Arbeitsmanagement, Persönlichkeit.

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