Erste Tipps für Krisensituationen
1. Bleiben Sie selbst ruhig
Durchatmen. Überblick bewahren. Kontaktieren Sie Menschen, die Ihnen helfen, den Überblick und die Ruhe bewahren (den panischen Tunnelblick vermeiden).
2. Stoppen/Unterbrechen
Stoppen oder unterbrechen Sie Meetings und Besprechungen, wenn die Stimmen lauter oder gepresster werden. Wehret den Anfängen. Stopp sagen, kurze Pause machen, neu ansetzen.
3. Priorisieren Sie um
Was ist jetzt wichtig und dringend? Alles, was nicht notwendig ist, streichen.
4. Zeitbögen transparent machen
Was ist heute wichtig, was diese Woche, was ist nächste Woche und was ist erst nächsten Monat oder noch später wichtig?
5. Fürsorgepflicht
Sorgen Sie für alle Ihre Mitarbeiter. Wem geht es im Moment wie? Wer braucht Hilfe, Unterstützung?
6. Information und Transparenz
Mitarbeiter wollen und brauchen gerade jetzt Information und Klarheit. Informieren Sie über alle Termine, Abläufe, Entscheidungsstände im Führungskreis und eben nicht nur über gefällte Entscheidungen und Ergebnisse der Chef-Meetings. Welche Termine sind anberaumt? Worüber möchte man bis wann entscheiden? Welche Planungen mussten neu gefasst werden? Wenn Mitarbeiter schon keinen Einfluss auf die Entscheidungen haben, können wir Ihnen Klarheit über Entscheidungsabläufe geben („Nebel und Nacht gebiert Gespenster und Geister“, Goja).
7. Nicht Wegducken und sich nicht mehr sehen oder hören lassen
Sie verlieren schnell für lange Zeit an Reputation als Führungskraft. Kein achselzuckendes „Da weiß ich auch nicht, was man da tun soll“. Holen Sie Ihre Mitarbeiter zusammen und fragen offen. Was gibt es zu tun? Wer braucht was? Bleiben Sie handlungsfähig.
8. Nicht den einsamen Entscheidungshelden (den „Führer“) spielen
Erst nichts tun und dann alle Mitarbeiter ohne Vorbereitung auf einmal nach Hause schicken. „Ich (allein) muss entscheiden, wo es lang geht.“ Gute Führungskräfte führen Entscheidungen mit anderen herbei, schlechte treffen Entscheidungen allein.
9. Delegation
Wenn Zeit ist und alle zusammen sind, kann man sich unvollständige Anfragen, Aufgaben, Delegationen vielleicht leisten. Unter Stress und unter Remote/Homeoffice-Bedingungen geht das nicht. Formulieren Sie sorgfältig und möglichst genau: 1. Content: Was genau ist das Ergebnis? An welchen Punkten erkennen wir die Zielerreichung? 2. Context: Wozu ist das gut? Wer hat was davon? Die Hintergründe und Motivationen. Sinngebende Führung. 3. Ressourcen: Wie viel Zeit, welche Hilfen, welche Gelder, welche Infos stehen zur Verfügung? 4. Regeln: Wie gehen wir damit um? Wer muss informiert werden, wer entscheidet und gibt Rat? Was ist wann genau zu tun? (4-Seiten-der-Delegation)
10. Mitarbeiter werden zunehmend von Ängsten ergriffen
Vermeiden Sie es, dem Ruf nach dem starken Mann zu erliegen und etwas zu sagen, was Sie selbst nicht wissen. Verzichten Sie auf generelle Durchhalteparolen wie „Alles wird gut“, „Macht Euch keine Sorgen“, oder Panik-Beschleuniger wie „Es wird echt schlimm“, „2008 war nichts gegen das, was jetzt kommt“. Diese Aussagen kommen im Team von ganz allein. Holen Sie die „GAU-Fantasien“ und „Scheißhausparolen“ von den Fluren und Teeküchen in das Licht der (virtuellen) Meetingräume und Pinnwände. Dort zerfallen sie manchmal wie Vampire im Sonnenlicht. Leitfragen dazu: Was könnte passieren, womit müssen wir rechnen und was können wir tun, um gut darauf vorbereitet zu sein? (Kurzszenario)
11. Sorgen Sie gut für sich. Sie werden jetzt besonders gebraucht und gefordert
Gönnen Sie sich Pausen, grenzen Sie die Informationsflut ein, um einen klaren Kopf zu behalten und sorgen Sie für einen guten Ausgleich (Bewegung, Schlaf, Ernährung, soziale Kontakte, wenn auch auf Abstand, usw.)