Was will man eigentlich von uns Führungskräften?

Ulrich Grannemann – Betrachten wir die unterschiedlichen Interessensgruppen mit denen wir es als Führungskraft täglich zu tun haben, wird schnell klar: Führungskräfte stehen im Zentrum verschiedenster Ansprüche und Erwartungen. Welche sind das?

„Führen ist Durchwursteln“ schreibt Oswald Neuberger in seinem Buch zur Führungsforschung „Führen und führen lassen“. In zahlreichen Studien wurde gezeigt, dass Führung weniger die autonome und kompromisslose Realisierung einer glasklaren, stimmigen Strategie ist, als vielmehr die Kunst des "Durchwurstelns" angesichts mehrdeutiger Ziele, nur partiell durchschauter Bedingungen, heterogener Interessen, beschränkter Ressourcen, Zeitdruck und komplexer, wechselseitiger Abhängigkeiten.“
 
Allein, wenn man einen Blick auf die verschiedenen Interessen und Stakeholder wirft, bekommt man Respekt vor der eigenen Führungsaufgabe. Es ist fast wie im englischen Unterhaus – alle Seiten wollen etwas anderes:
 
 


 
 
Die Kunden fordern: „Beliefere mich sofort und zuerst, und das mit Qualität, zum kleinsten Preis und ewigem Service“. Das Management erwartet: „Erreiche die Ziele, zeige Exekutivvermögen und setze die Strategien und neuen Prozesse um. Sei dabei nachhaltig und vor allem geräusch- und problemarm.“ Der eigene Chef hat noch ein paar Interessen mehr: „Lass mich gut aussehen und fördere meine Karriere. Aber zeige auf keinen Fall, dass ich Dich nicht im Griff habe“. Und die Mitarbeiter fordern: „Gibt mir Super-Aufgaben, die mein Selbstwertgefühl fördern, lobe mich, beachte mich und wehe, Du informierst mich nicht genügend und setze Dich für mich ein. Schütze mich, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Tröste mich und sage, dass der Fehler meiner Karriere nicht schadet und dass das Ganze gar nicht so schlimm war. Ansonsten: Motiviere und pflege mich, fördere meine Karriere und setze mich gut in Szene!“
 
Da kann man vor seiner Führungsaufgabe schon Respekt bekommen, die vor diesem Hintergrund vor allem eine Ausgleichs- und Werte-Integrations-Aufgabe ist. Wer in diesem Anspruchsgewitter keinen eigenen, festen Stand hat und einer bestimmten Gruppe nachgibt, wird mehr oder weniger schnell Probleme mit einer der anderen Gruppe bekommen.
 

 

Stakeholder-Management ist die Kunst, die verschiedenen Anspruchsgruppen zu erkennen und nach Möglichkeit zu bedienen.

Arbeitsfragen:

·         Kenne ich alle wesentlichen Anspruchgruppen und deren Motive?

·         Gibt es Ansprüche, die ich zu viel oder zu wenig im Fokus habe?

·         Welche heimlichen Ansprüche verbergen sich unter Umständen hinter den offiziellen Anforderungen?

 

 

 

Buchtipp:

Oswald Neuberger

Umfassendste, wissenschaftliche Darstellung des Themas Führung.
Er zitiert aus nicht weniger als 1200 Quellen!

 

 

 

 

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