Führung: Soziale Interaktion oder Job?

Ulrich Grannemann – Was ist eigentlich Führung? Ist es mehr soziale Interaktion oder doch eher nur ein Job? Ulrich Grannemann macht sich Gedanken über freiwillige, beauftragte oder wilde Führung. 

Was die Führung nicht gerade leicht macht, ist das Durcheinander, das durch die verschiedenen Führungsauffassungen verursacht wird. Dieser Beitrag soll etwas Ordnung in die Begrifflichkeiten bringen.
 
 
 
 
Was ist Führung? Wir werden ständig geführt oder besser: In vielen Fällen suchen wir selbst Führung: Was zum Beispiel hat Sie dazu geführt, diesen Text jetzt und hier zu lesen?
 
 
Als Interaktion betrachtet ist alles, was wir tun, Führung. Führung ist Kommunikation mit Einfluss. Unterstellt man, dass es keine Kommunikation ohne Wirkung gibt, ist die eine Hälfte Führung, die anderer Hälfte der Kommunikation ist geführt werden. Das bringt uns also nicht weiter.
 
 
Erst einmal suchen und brauchen wir Führung. Das, was uns hierher gebracht hat, alles was uns ausmacht und was wir gelernt haben, ist durch gesuchte oder verordnete Führung entstanden. Wir lassen uns gerne führen und folgen Menschen, Informationen und Organisationen. Auf der anderen Seite der Skala empfinden wir Führung als Einschränkung unseres Willens. Wir würden gerne etwas anderes machen, aber „der blöde Chef hat ja keine Ahnung“.
 

Freiwillige, wilde oder beauftragte Führung
 
So gibt es drei Richtungen, in denen Führung gelehrt wird:
 
  1. Die Menschen folgen mir freiwillig. Sie suchen meine Führung: Wie kann ich eine Persönlichkeit werden, der man gerne folgt? Wie werde ich Vorbild? Ich brauche nur Charisma und Ausstrahlung, Kongruenz und Authentizität. Selbstsicherheit und Selbstvertrauen sind die Zauberwörter.
 
  1. Ich möchte die Menschen beeinflussen (Wilde Führung): Wie beeinflusse, ja manipuliere ich andere Menschen? Auch im Unternehmen haben wir als Mitarbeiter immer einen Teil unserer Zeit, der nicht fest verplant ist und Weisungsbefugnissen unterworfen ist. Viele Projekte entstehen durch Anzapfen dieser freien Ressourcen. Charmante, smarte Projektleiter schaffen es uns zu motivieren oder gar zu begeistern.
 
  1. Ich führe Menschen, die eigentlich nicht von mir geführt werden möchten. Ich bin Ihnen vorgesetzt. Das ist im Grunde der schwierigste Teil von Führung, da klare Erwartungen von Seiten des Unternehmens bestehen. Es gibt nur noch ein Spiel, dass noch unfairer ist: Klare Erwartungen, aber keine Weisungsbefugnis: „Da müssen Sie schon selbst sehen, wie Sie die Leute dazu kriegen. (siehe Wilde Führung)
 
 
Führung: Ein schwieriges Geschäft
 
Keine rosigen Aussichten: Freiwillige Führung – Dafür, dass Menschen mir als Vorbild folgen, kann ich nur langfristig etwas tun. Erzwingen kann ich das nicht. Gemischt mit der unguten Fragestellung: Bringe ich das als Persönlichkeit überhaupt mit? Wilde Führung – Auch nicht gerade sicheres Terrain. Der Erfolg hängt von vielen Variablen ab: Von mir, von Anderen und von der Situation. Und die beauftragte Führung? Hier muss ich zumindest hin und wieder gegen den Willen und Wunsch der Mitarbeiter agieren. Und:
 
Wir wählen das Unternehmen, aber nicht den Chef
 
Das Problem bei Führung in Organisationen ist, dass wir zwar die Organisation, aber nicht die Führungskraft gewählt haben. Alle Studien haben einen Schluss: Die Mitarbeiter kommen wegen dem Unternehmen und gehen wegen dem Chef, der einem das Leben vergällt. Dazu kommt der innere Konflikt: Wie konnte ich ein Unternehmen wählen, das einen solchen Chef zulässt?
 
 
Im schlimmsten Fall sollen Sie somit Menschen, die Sie sich nicht ausgesucht haben und die Sie nicht als Chef haben wollten, etwas ausführen lassen, das die Mitarbeiter nicht wollen und mit dem Sie sich nicht identifizieren können.
 
Das Ganze am besten ohne offiziellen Auftrag, aber mit dem Hinweis: „Das müssen sie einfach mit Ihren Kommunikations- und Überzeugungsfähigkeiten durchsetzen. Oder haben Sie die etwa nicht?“
 
 
 
Ich weiss, nicht gerade motivierend, was ich hier schreibe. Oder vielleicht doch zumindest hilfreich. Denn: Es ist, wie es ist. Es gibt keine perfekten Führungssituationen. Und doch findet auch Führung in Unternehmen in der Gemengelage dieser drei oben genannten Führungsauffassungen statt.
 

Lassen Sie sich nicht mit unerfüllbaren Erwartungen überziehen, weder durch andere und vor allem nicht durch sich selbst. Aber machen Sie aus Führung einen ehrlichen, soliden und verantwortungsvollen Job.

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