Führungs-Verführung

Wie verführe ich meinen Chef zum Führen?

Ulrich Grannemann – Die Bitten und Klagen vieler Mitarbeiter über ihre Vorgesetzten ähneln sich: „Ich bekomme keine klaren Ziele, keine Prioritäten, keine Entscheidungen, viel zu wenig Zeit zum Reden, kein Feedback zu meinen Fähigkeiten…“ und, und, und.

„Ich will keine Probleme, sondern Lösungen!“
                            
Aber welchen Anteil haben wir Mitarbeiter selbst daran? Wenn wir mit unseren Anfragen/Mails auf einen Hort gespeicherter Hilflosigkeit und verdeckter Aggression treffen, dann sind Killerphrasen vom Chef häufig das erste Anzeichen dafür. Typisch Beispiele sind: „ Alles ist wichtig!“, „Ich will Lösungen, keine Probleme“, „Machen Sie einfach, stellen Sie keine Fragen“, „Es ist schon alles in Ordnung, solange ich nichts sage!“. Die nächste Stufe ist dann häufig das Vermeiden solcher Situationen. Sie merken es daran, dass es immer schwieriger wird, Termine zu bekommen und die Gelegenheiten für ein Gespräch immer seltener werden.
 
Unsere Aufgabe: „Verdaubare Vorlagen kreieren“
 
Auch der Chef ist nur ein Mensch und versucht negative Gefühle wie Ohnmacht, Überforderung, schlechtes Gewissen und Schuld zu vermeiden. Viele Chefs sind wandelnde Träger schlechten Gewissens. Denn die guten Führungskräfte wissen, dass Sie (viel) zu wenig führen.
 
Unsere Fehler in der Chefführung:
 
Wenn Sie Ihren Chef zu mehr Führung verführen wollen, dann sollten Sie möglichst die zwei größten „Upturner“ vermeiden: Seien Sie nicht zu allgemein oder zu detailliert!
 
Zu allgemein oder zu detailliert
 
 
 
 
Fehler 1: Zu allgemein, zu „fluffig“
 
„Chef, was hat denn nun Priorität 1?“, „Geben Sie doch mal Feedback über die Stärken und Schwächen“, „Sie müssen da jetzt mal was machen!“
 
Auch bei Chefs gilt die Regel: Wie wir in den Wald hineinrufen, so schallt es auch heraus. Wenn wir also zu Allgemeines „rein“ geben, kommt schnell auch Allgemeines zurück. Und da sind wir dann häufig wieder bei den Killerphrasen. („Alles ist wichtig!“, „Kommen Sie doch nicht wieder damit!“).
 
Regel:
Chefs mögen es, wenn sie klare, nachvollziehbare Alternativen vorgetragen bekommen, die ihre Entscheidung lenken. Z.B.: „Es wird eng nächste Woche wegen dem Projekt A. Ist es o.k., wenn ich im Zweifel Aufgabe C verschiebe, auch bei Aufgabe D sehe ich Spielraum.“ Oder: „Wir sollten bis Zeitpunkt x eine Entscheidung für XY vorbereiten, die Bandbreite liegt zwischen A und B. Ich schlage vor, dass… “
 
 
Offene Fragen sind für viele Zusammenhänge die richtige Form. Aber sie vertragen keinen Druck, weder Erwartungs- noch Zeitdruck.
 
 
Fehler 2: Zu detailreich
 
Die Alternative zur offenen Frage ist allerdings die Überladung des Chefs mit einem Übermaß an Daten und Informationen. Viel zu viele Details, komplexe Folien mit einer „durchschnittlichen Bit-Rate von 1000 pro Quadratmillimeter.“
 
Die Absicht hinter der Botschaft des Mitarbeiters ist klar: Ich bin fleißig und habe viel Ahnung. Die erzielte Wirkung beim Vorgesetzten ist allerdings: Das ist zuviel, das kapiere ich nicht. Haue ich jetzt mit einem Basta einfach rein oder geben ich zu, das ich keine Ahnung habe? Frei nach dem Motto: „Kannst Du sie nicht überzeugen, verwirre sie.“
 
Regel: Auch hier gilt es, wenige überschaubare Alternativen aufzuzeigen. Weder zu viele noch gar keine Details sind ein Weg, der erfolgreich macht.

 

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