Schuld schieben – das uralte Gesellschaftsspiel und seine Folgen

Lawyer. Law scales on table in front black background. Symbol ofWir alle haben schon mal „Schwarzer Peter“ gespielt, genussvoll die Karte mit dem schwarzen Kater an einen anderen Mitspieler weitergegeben und versucht, seine Reaktion wahrzunehmen. Was im Spiel noch Spaß machen kann (zumindest dem Abgebenden), sorgt im Arbeits- und Gesellschaftsalltag meist für eine Verschärfung von Konflikten und Ablehnung von Verantwortung. Auch wenn – wie beim Schwarzen-Peter-Spiel – vielleicht niemand etwas aktiv für den Fehler, das Problem oder den Konflikt gemacht hat, lautet oft die erste Frage nicht: „Was ist passiert?“ sondern „Wer hat Schuld?“. Als ob durch die Beantwortung dieser Frage das Problem schon gelöst wäre!

Schuld“ hat mehrere Dimensionen und Bedeutungen. Zum einen ist es ein juristischer Begriff: Wenn jemand sich im juristischen Sinne schuldig gemacht oder ein Vergehen oder Verbrechen begangen hat, dann wird er bestraft. Es sei denn, er könnte entschuldigende Umstände geltend machen oder seine Schuld ist, z. B. durch eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit, vermindert. Das wird dann in aufwendigen juristischen Verfahren geprüft und am Ende ein Urteil gefällt, gegen das man dann noch Einspruch einlegen kann. Das ist also ein sehr rationales und detailorientiertes Vorgehen mit klarer Zuordnung von Verantwortlichkeiten.

Zum anderen ist Schuld ein Gefühl. Als Kinder haben wir uns vielleicht schuldig gefühlt für unser Verhalten, weil wir ausgeschimpft worden sind oder uns pauschale Vorwürfe gemacht wurden. Als Erwachsene können wir unterscheiden, ob wir für etwas verantwortlich sind und wenn ja, in welchem Maße wir z. B. zum Fehler beigetragen haben (auch durch Unterlassung einer Aktivität) bzw. ob wir uns schuldig fühlen. Das muss nicht bedeuten, dass wir etwas falsch gemacht haben. Überlebende einer Katastrophe oder eines Unfalls fühlen sich manchmal schuldig, weil sie überlebt haben. Manche fühlen sich als Erwachsene immer noch generell schuldig, wenn ein Fehler passiert ist. Sie könnten aber jetzt für ihren Anteil die Verantwortung übernehmen und nur dafür. Das wäre eine erwachsene Verhaltensweise. Je nachdem, was wir als Kinder erlebt haben und wie andere (z. B. der Vorgesetzte oder Kollegen) auf uns zukommen (z. B. durch generelle Schuldzuweisungen mit Formulierungen wie „immer“, „nie“ oder „typisch“, verbunden mit einem aggressiven oder anklagenden Ton, siehe auch Harmlose Worte mit teuflischer Wirkung), fallen wir in die „Schwarze-Peter-Haltung“ zurück (z. B. geben wir Dinge zu, die wir gar nicht gemacht haben oder weisen selbst die offensichtlichsten Fakten zurück, die in unserem Verantwortungsbereich liegen). Damit wird der Konflikt verschärft und die Lösung erschwert.

Was können wir also tun, damit das gar nicht erst passiert oder wir aus der Schuldspirale wieder aussteigen können?

  1. Wir ersetzen das Wort „Schuld“ durch „Verantwortung“. Beispiel: Es ist ein Fehler aufgetreten, und wir fragen: „Wer war für diese Aufgabe verantwortlich?“ Und dann: „Was ist passiert?“
  2. Wir versuchen bei Schuldzuweisungen durch andere ebenfalls auf unsere Verantwortung hinzuweisen und auf den Teil, der nicht in unserer Verantwortung liegt. Wir können Feedback zum Sprachgebrauch und zum Ton geben und uns Schuldzuweisungen höflich und klar verbitten.
  3. Wir können uns selbst prüfen: Wie schnell fühle ich mich angegriffen und schuldig? Welche Verantwortung muss ich übernehmen und welche nicht? Das kann ich dann zur Klärung des Problems kommunizieren und einbringen und mich von dem Teil, für den ich nicht verantwortlich bin, abgrenzen.
  4. Ich kann schauen: Wie kommuniziere ich selbst? Klage ich andere an und weise Schuld zu? Fühle ich gar Genugtuung, wenn ein anderer „in die Knie geht“? Dann kann ich dieses Kommunikationsverhalten nach und nach ändern.
  5. Wenn ich anderen ein Leid oder eine Kränkung zugefügt habe, kann ich um Ent-Schuldigung bitten, d.h. der andere entscheidet, ob er danach versöhnt ist oder nicht und die Rabattmarke weg ist.
  6. Somit kann ich aktiv zur Lösung eines Problems oder Konflikts beitragen, ohne Schuld zu empfinden oder zuzuweisen. Dann klappt es mit der Konflikt- und Problemlösung auch meist besser und nachhaltiger.

Je öfter das gelingt, umso mehr bewegen wir uns in der Welt der Erwachsenen und fühlen das, was zur aktuellen Situation passt (und nicht, wie wir uns als Kinder gefühlt haben).

schuldzuweisung

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