Langfristig erfolgreich durch Selbstbewusstsein und Demut statt Arroganz und Narzissmus

StrongImmer wieder ist zu lesen, dass Führungskräfte über einen gewissen Narzissmus verfügen sollten, um erfolgreich zu sein. Auch Arroganz würde – im richtigen Maße – nicht schaden. Das ist nicht grundsätzlich falsch: Selbstbewusste und ego-starke Menschen sind eher bereit, Risiken einzugehen und auch bei starkem Gegenwind ihren Standpunkt zu vertreten. Und oft haben narzisstische Persönlichkeiten mit einem starken Ego erst einmal Erfolg, vielleicht sogar über längere Zeit. Die meisten tappen dabei jedoch früher oder später in die Falle der Selbstverliebtheit: Irgendwann glauben diese Personen an ihre eigene Unverwundbarkeit oder halten ihren Erfolg für selbstverständlich. Sie treten immer arroganter auf, und ihr Umfeld akzeptiert das. Wer nicht mitmacht bei der Anerkennung der Überlegenheit des Narzissten, muss gehen. Kritik stört da nur noch. Dabei ist der Ausschluss von Realität und Kritik bereits oft der erste Schritt zum Abstieg. Beispiele gefällig:

  • Napoleon dachte wenige Jahre vor Waterloo, bald würde er das Universum beherrschen.
  • Herr Wiedeking, damals Porsche-Vorstand, wollte VW übernehmen. Er wurde anschließend „entlassen“ (per Aufhebungsvertrag) und muss sich vor Gericht verantworten.
  • Herr Middelhoff wollte und konnte nicht einsehen, dass Privatflüge nicht über die Firma abgerechnet werden dürfen. Dafür saß er in Untersuchungshaft und hat wegen anderer aus seinem Lebensstil resultierenden finanziellen Belastungen mittlerweile Insolvenz angemeldet.
  • Herr Zuma (Präsident von Südafrika) reagiert auf Kritik an seinem Verhalten und dem seiner Regierung mit der Androhung der Wiederauflage von Gesetzen aus der Apartheids-Zeit.
  • Herr Erdogan hat die Türkei ökonomisch und gesellschaftlich über eine längere Zeit vorangebracht. In der letzten Zeit reagiert er auf Kritik und Beteiligungswünsche der türkischen Bevölkerung jedoch vermehrt mit harter Hand (und hat sich gleichzeitig einen Riesenpalast gebaut).
  • Eric Schmidt, langjähriger Google-CEO, äußerte einmal in einem Interview zur zukünftigen Rolle der Privatsphäre für Google sinngemäß: „Wenn etwas nicht öffentlich werden soll, dann denken Sie es besser erst gar nicht.“ Danach musste er kräftig zurückrudern.

Daher war es schon bei den Römern üblich, dass auf dem Wagen des siegreichen Feldherrn, der im Triumphzug durch Rom fuhr und sich feiern ließ, ein Sklave hinter dem Feldherrn stand, der ihm fortlaufend zuflüstern musste: „Bedenke, dass Du nur ein Mensch bist.“ Ob das immer hilfreich war, wissen wir nicht. Um das Abheben bei großem Erfolg zu verhindern, ist es jedoch unerlässlich, sich kritisches Feedback einzuholen und sich hinterfragen zu lassen. Auch hierfür aktuelle Beispiele:

  • Uber-Gründer Travis Kalanick trat zu Beginn seiner weltweiten Expansion in Europa sehr arrogant, aggressiv und beleidigend auf (speziell gegenüber Taxifahrern). Nun ist er – nach erheblichen Gegenwind und gesetzgeberischen Einschränkungen seines Geschäftsmodells – deutlich bescheidener und kooperativer geworden.
  • Auch Angela Merkel – egal, wie man zu ihr politisch steht – ist nicht gerade ein Ausbund an Überheblichkeit und Selbstdarstellung.

Kluge Führungskräfte sorgen also dafür, dass in ihrem Bereich auch abweichende Meinungen gehört werden und hinterfragen sich bzw. lassen sich hinterfragen, auch wenn das anstrengend ist.

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